Greve arbeitet die Entwicklungen chronologisch in zehn Abschnitten auf und geht dabei auch auf den Erfinder der Schallplatte und des Grammophons ein: Emil Berliner. Die Kapitel über seinen Werdegang und die ersten Gehversuche seines Unternehmens, der 1898 gegründeten Deutschen Grammophon Gesellschaft, zählen zu den lesenswertesten und aufschlußreichsten Passagen des Buchs. In den darauf folgenden rund 200 Seiten beschränkt sich die Darstellung der Chronik der Firma und des Labels Polydor (erstmals im Jahr 1924 im Einsatz) leider meist auf die Aufzählung der Künstler, die in den jeweiligen Jahren bei Polydor veröffentlichten und Charterfolge erzielten. Von Otto Reuter,Max Hansen, Rudi Schuricke, Catarina Valente, Freddy Quinn, Connie Francis und Roy Black bis zu Abba, Bee Gees, James Last, Bryan Adams, U96 und den No Angels – zu Beginn lassen sich die Namen für den Leser noch gut wahrnehmen und verarbeiten, was gegen Ende der Chronik aufgrund der Quantität der erwähnten Polydor-Künstler aber zunehmend schwerer fällt. Hier hätte die beispielsweise die gezielte Hinzunahme von externen Quellen, beispielsweise Zitate von den Geschäftsführern der anderen Plattenfirmen, von Journalisten und Ausschnitte aus Presseartikeln, für Abwechslung gesorgt und das Thema Polydor in einen größerem Betrachtungsrahmen gestellt.
Erwähnenswert sind die Gastbeiträge von Howard Carpendale, Caterina Valente, Freddy Quinn und anderen Polydor-Künstlern, die zum Teil mit sehr persönlichen Zeilen Anekdoten aus der Polydor-Geschichte erzählen. Positiv fällt die liebevolle Bebilderung des Buchs auf, mit Ablichtungen von Künstlerverträgen aus den Zwanziger Jahren über Einladungskarten, Telegrammen und Fotos von Künstlern punktet der „Sternenhimmel“ klar im visuellen Bereich, das zum Schmökern einlädt.
Alles in allem ist „Sternenhimmel“ eine gelungene Darstellung des legendären Labels und der Plattenfirma Polydor, Bettina Greve ist es hervorragend gelungen, aus der sicherlich unüberschaubaren Flut an Erinnerungsstücken und Aufzeichnungen eine kompakte Darstellung zu schaffen.
Bettina Greve: Sternenhimmel – Die Chronik einer deutschen Schallplattenmarke; Hannibal Verlag, ISBN: 3-89795-811-2; 263 Seiten, 78 Mark


