Einen der strittigsten Punkte bei Plattenfirmen und Promotion-Agenturen bildet die Frage, ob und welche Wirkung Print-Musikjournalismus überhaupt auslösen kann – vor allem wenn es darum geht, neue Künstler am Markt zu etablieren. Hörstmann glaubt nach wie vor, dass „Print-Medien den Künstlern ein Profil und Image verschaffen, neugierig machen und ein Thema auch heute noch anschieben. In all den Jahren möchte ich behaupten, dass kaum ein anderes Musikmagazin am Markt ähnlich viele Titelthemen nach Gespür und nicht nach Marktreaktion gemacht hat und so sehr oft vor einem späteren Charts-Entry Leser sensibilisierte.
In der Historie waren wir bei Themen wie zum Beispiel den Absoluten Beginnern, Beck, Blumfeld, Blur, Daft Punk, Fatboy Slim, Freundeskreis, Kyuss, Monster Magnet, Motorpsycho, Mouse on Mars, Portishead, Radiohead, Tocotronic oder Travis vor dem großen Durchbruch mit gewichtigem Support am Start.“ Auch Chefredakteur Thomas Venker versucht, den Einfluss von Print zu belegen: „Als aktuelles Beispiel fällt mir spontan Goldfrapp ein – eine Band, die Ende letzten Jahres niemand kannte, die sich aber insbesondere durch die Printartikel sofort hoch in den Charts platzieren konnte und dort auch etablierte. Ein anderes sehr gutes Beispiel ist die isländische Formation Sigur Ros, die wir als erstes deutsches Magazin auf dem Cover hatten und die danach richtig durchgestartet sind.
Auf diese Künstler kam beispielsweise das Fernsehen nur wegen der Print-Aktivitäten.“ Um Künstler zu unterstützen, deren Musik die „Intro“-Redaktion für besonders förderungswürdig hält, richtete der Verlag sogenannte Release-Kooperationen mit den Plattenfirmen ein. Dafür kündigt die Zeitschrift das jeweilige Album in der Heftrubrik „Schwere Rotation“ an, stellt es mit einer Rezension vor, bringt es in die gemeinsam mit Viva Zwei ausgerichtete Fernsehsendung „Platten vor Gericht“ ein, garantiert ihm ein redaktionelles Feature oder Interview mit dem Künstler und weist auf Online-Aktionen hin.
Ein weiteres Angebot besteht darin, unverbindlich bis zu 3000 Promo-CDs oder Sticker in die Hefte zu kleben, Verlosungsaktionen zu gestalten und Tourneen zu präsentieren. Hinzu kommen weitere spezielle Kooperationsangebote auf den Online-Seiten von www.intro.de: Die CD findet Eingang in die „Intro“-Online-News und kommt in den wöchentlichen Newsletter-Aussand mit über 7000 Abonnenten. Gleichzeitig ist ein Audio/Video-Stream einzelner Titel/Videos möglich. Sehr wichtig ist für Hörstmann die Ausweitung der Release-Kooperation auf den stationären Handel: „Kein anderes Magazin ist im bundesdeutschen Tonträgerhandel flächendeckend so präsent“ mit speziellen Aktionen am Point of Sale wie Aufsteller aus Lochblech mit Acrylglasblende oder die Organisation von Autogrammstunden oder kleinen Auftritten im Handel.
Als Gegenleistung erwartet „Intro“, dass die Firmen zumindest die gesamte Erstauflage der CDs und LPs mit dem Sticker „empfohlen von Intro/intro.de“ versehen und bei allen Werbemitteln „empfohlen von Intro“ in die jeweilige Kampagne integrieren. Auch bei der Anzeigenplanung rechnet der Verlag mit Berücksichtigung und offeriert dafür Sonderkonditionen. In diesem Jahr kooperierte die Firma Mute Tonträger mit „Intro“ zur Veröffentlichung des Albums von Goldfrapp, Virgin stellte auf diese Weise die Band Slut vor, von V2 kamen die Stereophonics, von Pias die Band Mogwai, von Epic die schottische Formation Travis und von BMG Köln 2raumwohnung.
„All diese Kooperationen haben die jeweiligen Alben durchaus nach vorn gebracht oder waren ein Bestandteil des Erfolgs“, meint Hörstmann, der bereits für den Herbst weitere Release-Kooperationen ankündigt: Björk und Mary J. Blige von Polydor, Cake (Columbia), Computerjockeys von Mercury, die Eels und Jimmy Eat World von Motor, Mercury Rev von V2, NER*D und Simian von Virgin.


