“Ich schätze, ich brauche noch zehn Jahre, bis ich diese Krise überwunden habe“, sagt Reim. Den Vornamen lässt er ab jetzt weg. „Ich gräme mich nicht mehr jeden Tag, auch wenn manchmal noch Frust in mir hochkommt und ich mir denke: ‚Was bin ich doch für ein Idiot gewesen.'“ Nun habe er sein Leben reorganisiert und blicke mit seinen bewegenden Songs in die Zukunft; denn mit „Reim“ ist ihm sein bislang bestes Album gelungen. Doch Lob lässt ihn nicht mehr den Boden unter den Füßen verlieren: „Ich habe Angst vor Träumen, weil ich weiß, wo die hinführen können. Ich möchte nur weiter Musik machen dürfen.“ Von dieser Einstellung zeugt „Träumer“, Reims Lieblingslied auf dem neuen Album. „Es wirft einen Blick auf die Krisen, die mich geschüttelt haben. Das ist die Antwort darauf. Denn als mich das finanzielle Disaster ereilte, hatte ich nur eine Chance: weitermachen.“
Dabei versteht er seine Texte nicht autobiografisch, sondern realitätsnah. „Es geht darum, wie man völlig irrationale Emotionen verarbeitet. Es gibt ja gegen fast alles schon eine Medizin, nicht aber gegen Lebensprobleme. Die muss man selbst lösen, mit seinem Verstand und seinem Herzen.“ Das Thema Beziehungen steht im Vordergrund, das Reim mit rauer Stimme in runde Sounds verpackt, wie die Ohrwürmer „Herzensmasochist“ oder „Ich liebe dich“, die erste Single-Auskopplung. Und auch der bedrückende Song „Halt durch“, zu dem Reims Plattenfirma EMI ein aufwändiges Video gedreht hat, zeigt einen gereiften Sänger, der das Klischee der harten Nuss mit dem weichen Kern hinter sich lässt. Reim blickt nach vorn, eine Portion Optimismus darf dabei nicht fehlen: „Wenn ich kein Optimist wäre, dann wäre ich nicht so weit gekommen.“ Eine Tour Ende März 2004 soll sein Publikum davon überzeugen.



