“Boybands wird es immer geben, solange der liebe Gott kleine Mädchen macht“, sagt der schwergewichtige Boygroup-Guru Lou Pearlman aus Orlando. Und gleichzeitig schränkt der Erfinder von ‚N Sync, den Backstreet Boys, O-Town und Natural ein: „Ihre Laufzeit liegt bei fünf Jahren!“ Dann muss entweder was Neues her – oder man pickt sich aus den Mitgliedern einen oder zwei heraus, die das Zeug zum Solo-Star haben.
Zwar hätten es vor allem in Deutschland viele Fans gern gesehen, wenn die Backstreet Boys und ‚N Sync noch einmal mit einem neuen Band-Album im Gepäck auf Tournee gehen – aber daraus wird wohl nichts. Dass die beiden erfolgreichsten Boygroups der Welt 2003 neue Werke auf den Markt schmeißen, ist höchst unwahrscheinlich. Dafür legen ihre beiden – optischen – Aushängeschilder jetzt Solo-Alben vor. Und die überraschen überaus positiv.
Justin Timberlake (21) von ‚N Sync hat zwar zuletzt mehr durch seine Trennung von Britney Spears und eine angebliche Affäre mit Janet Jackson Schlagzeilen gemacht, doch jetzt schlägt er musikalisch zu: mit dem Solo-Album „Justified„. Und die Lobeshymnen, die der Sänger für sein Debüt von den Kritikern bekommt, sind tatsächlich gerechtfertigt. Nicht nur auf der ersten Single „Like I Love You“ überzeugt der Boy-Popper mit starken Beats, für die die Remix-Spezialeinheit The Neptunes verantwortlich zeichnet. Auch sonst geht Justin mehr in Richtung R&B, fast schon, als müsste er sich zwangsweise vom Boygroup-Pop freisingen. Absolutes Highlight: „(And She Said) Take Me Now“ mit Timbaland und Janet Jackson!
Bevor ‚N Sync durchstartete, waren die Backstreet Boys die erfolgreichste Boygroup aller Zeiten. Und ausgerechnet deren früheres Nesthäkchen Nick Carter (22) macht seinen Bandkollegen vor, wie ein fettes Solo-Album aussehen kann. Für seine Mischung aus Rock und Pop auf „Now Or Never“ setzte Nick auf bewährte Produzenten und Songwriter, die u.a. schon Bon Jovi und Robbie Williams in den Charts ganz nach vorn gebracht haben. „I Stand For You“ hat Stadion-Rock-Qualitäten, und bei „Do I Have To Cry For You“ würde selbst Bryan Adams neidisch. Sowohl Nick Carter als auch Justin Timberlake wurde schon im Vorfeld attestiert, sie hätten solo gute Chancen, ihren Gruppenerfolg zu wiederholen.
Als Robbie Williams (28) 1995 bei Take That rausgeschmissen wurde, sah es nicht danach aus, als könnte der Pop-Clown seine Kollegen überflügeln. Selbst als die Band am 13. Februar 1996 ihre Trennung bekannt gab, traute man eher Band-Schnuckel Mark Owen und Songwriter Gary Barlow eine heiße Solo-Karriere zu. Beide sind mehr oder minder in der Versenkung verschwunden – und ausgerechnet Robbie setzte zu einem ungeahnten Höhenflug an. Für die Verlängerung seines Plattenvertrags soll er 2002 geschätzte 130 Millionen Euro bekommen haben – Rekord! Robbie revanchiert sich dafür mit dem neuen Sensations-Album „Escapology“ und beweist einmal mehr, dass er als einer der ganz wenigen das Zeug zum Superstar mit Haltbarkeitsgarantie hat.
Gab es beim Split von Take That noch Tränen und verzweifelte Fans, vollzog sich das Aus für die irische Band Boyzone harmlos. Immerhin waren die Fans sorgfältig auf die Trennung eingestimmt worden. Und Frontmann Ronan Keating (25) lieferte mit der Ballade „When You Say Nothing At All“ und dem poppigen „Life Is A Rollercoaster“ sofort neues Material, das dem von Boyzone in nichts nachstand. Im Frühjahr 2002 erschien sein zweites Solo-Album, „Destination (Winter Edition)„, das Ronan endgültig als irischen Superstar etabliert hat. Zurzeit ist er mit „We’ve Got Tonight“ im Duett mit Jeanette Biedermann in den Charts.


