Musik

Rainer Ritter, RR Promotion: „Laudatoren ohne geistiges Niveau“

In einem Offenen Brief an Gerd Gebhardt und Prof. Werner Hay bedankt sich Rainer Ritter, Manager von Caterina Valente, auch im Namen der Künstlerin, für die Würdigung ihres Lebenswerkes durch die Verleihung des diesjährigen Echo.

Ritter meint, natürlich wäre es ausreichend gewesen, einen Brief mit seiner Danksagung nach Hamburg zu senden, und betont, ihm liege die weitere Zukunft des Echo sehr am Herzen. Doch er äußert auch Kritik: „In vielen Gesprächen mit Branchenkollegen konnte ich in den letzten Tagen feststellen, dass die Fragen, die sich aus der Abwicklung der diesjährigen Verleihung für mich ergeben haben, durchaus auch von Anderen gestellt werden, wenn auch wenig Bereitschaft zu bestehen scheint, diese Fragen – aus welchen Gründen auch immer – öffentlich zu diskutieren. Im Einzelnen bewegt mich folgendes:

  1. Die Aufteilung der Echo-Verleihung in die Bereiche U-Musik und E-Musik ist vor Jahren beschlossen worden und aus meiner Sicht sinnvoll. Nicht nachvollziehbar ist für mich, warum der Bereich der Unterhaltungsmusik erneut unterteilt werden soll.

  2. Auf der Veranstaltung haben Sie angekündigt, den Bereich,Schlager oder Crossover oder Volkstümliche Musik“ (wo bleibt hier eigentlich die Volksmusik?) in eine eigene Veranstaltung verlegen zu wollen. Ich bin der Auffassung, dass es der Phono-Akademie ebenso wenig wie dem mitveranstaltenden Fernsehsender zusteht, diese Bereiche auszugliedern. Durch ihre Ausgliederung werden schließlich nicht nur die Künstler, sondern auch alle in der Musikindustrie für diese Sparte Tätigen und nicht zuletzt die Konsumenten dieser Musik herabgewürdigt. Hier stellt sich die Frage nach dem Sinn der Echo-Verleihung: Handelt es sich nicht um die Auszeichnung von Künstlern in allen Bereichen der U-Musik? Oder soll ein neuer TV-Event geschaffen werden, in dem diese Bereiche stünden?

  3. Eine Laudatio soll nach meinem Verständnis den Preisträger würdigen. Ich habe weder in Deutschland noch im Ausland jemals eine Preisverleihung erlebt, bei der sich Laudatoren so respekt- und würdelos über den Preisträger geäußert haben. Ebenso erschüttert haben mich Aussagen von Branchenkollegen,,dies sei immer schon so gewesen“. Ich will mich damit nicht abfinden. Die Branche beansprucht Internationalität und Toleranz für sich. Die gesamte Veranstaltung verfolgt auch karitative Zwecke. Dieser Anspruch bedeutet nicht, eine unterhaltungsarme Lobhudelei durchzuführen. Laudatoren wie Piet Klocke oder Michael Mittermeier haben gezeigt, dass man unterhaltende Elemente mit Respekt vor dem Gewürdigten verbinden kann.

Es geht aber nicht an, im Einzelfall Laudatoren auftreten zu lassen, die das benötigte geistige Niveau nicht erfüllen können. Vor der Veranstaltung war es für mich unvorstellbar, dass sich der eine oder andere Preisträger bei der Entgegennahme seines Preises genötigt sah, sich – aufgrund der respektlosen Präsentation seines Laudators – rechtfertigen zu müssen. Ich halte es für eine vordringliche Aufgabe der Akademie, die Preisträger vor solch geistig limitierten Laudatoren in der Zukunft zu schützen. In Sorge um das Niveau der nach eigener Einschätzung der Branche wichtigsten Veranstaltung nach der US-Grammy-Verleihung verbleibe ich mit freundlichen Grüßen, Rainer Ritter.“

Guido Schlender, Verkaufsleitung Nord/Ost Universal Vertrieb: „Keine Lanze gebrochen“

Auch Guido Schlender,, meldete sich zum Thema Echo zu Wort: „Die Party war hervorragend, jedoch war die Verleihung die schlechteste, die ich je gesehen habe. Nicht nur, dass die Laudatoren zu 90 Prozent nur peinliche Statements abgaben und für den deutschen Schlager nun wirklich keine Lanze gebrochen haben – nein, RTL hat noch nicht mal die Technik auf die Reihe bekommen. Das war eine,Provinzveranstaltung“, wo wieder mal klar wurde: Der Deutsche kann sich und seine Erfolge nicht feiern, Neid und Missgunst hat er besser drauf. Schade!“