“Das Problem des Dudelfunks ist international: Nachdem die deutsche Musikwirtschaft auf der letzten Popkomm. geschlossen die Einführung einer Radioquote gefordert hatte, wird das Thema in immer mehr europäischen Ländern diskutiert. Brandaktuell fordert auch die niederländische Musikwirtschaft eine Radioquote. So wie in Deutschland die Phonoverbände sowie die Autorengesellschaft GEMA, die GVL und der Musikverlegerverband einig sind, dass im Radio viel zu wenig Neues gespielt wird, fanden sich jetzt auch in Holland die Musikorganisationen zusammen, um die Diskussion über eine breitere Musikauswahl der Radiostationen zum Thema zu machen. Die Niederländer fordern eine Radioquote für einheimische Produktionen und für Musik in niederländischer Sprache.
Mit der Förderung der nationalen Sprache reihen sich die Holländer nahtlos in die Diskussionen in anderen europäischen Staaten ein: Auch in Großbritannien, Italien und Österreich wollen die jeweiligen Musikbranchen dem innovationsfeindlichen Radioprogramm zugunsten von mehr Vielfalt und Kreativität den Garaus machen. „50:50″ lautet das deutsche Motto: Jeder zweite im öffentlich-rechtlichen Radio gespielte Titel soll jünger als drei Monate sein und nicht von einem etablierten Künstler stammen. Davon die Hälfte (also 25 Prozent) sollen in deutscher Sprache singen. Was nur wenige wissen: Die Musikwirtschaft produziert enorm viele junge Künstler – aber viel zu wenige werden auch im Radio gespielt. Wie aber sollen sie ihr Publikum finden, wenn sie nicht von engagierten Musikredakteuren ins Programm geholt werden? Frankreich hat es uns vorgemacht: Ein definierter Anteil an neuer französischsprachiger Musik, flexibel auf unterschiedliche Programme angewandt, sorgt für neue Aufmerksamkeit der Radiohörer – und für ein starkes lokales Repertoire. Auch in Belgien, Irland und Portugal gibt es Radioquoten. Das nutzt sogar den Radiosendern: Sie werden dann nämlich nicht nur beim Kartoffelschälen gehört. Wann werden sie das wohl merken?“



