“Lieber Herr Larasser, wenn die von Ihnen angesprochene Kritik der Handelsverbände zu oben angeführtem Punkt in Ihren Augen Schwachsinn ist, so lassen Sie mich bitte in angemessener und sachlicher Form darauf antworten. Die derzeitigen Probleme im Handel resultieren unter anderem eben aus dieser Praxis von bis zu sechs Wochen Vorlauf im Funk. Glauben Sie wirklich, dass das durch die Radioeinsätze ausgelöste Kaufinteresse beim Konsumenten über so einen langen Zeitraum aufrecht erhalten werden kann? Klare Antwort: Nein. Denn erstens folgen in dieser Zeit, besonders jetzt vor Weihnachten, fast täglich weitere Titel mit den gleichen Auswirkungen, und zweitens ist der Konsument nach drei- bis viermaligem erfolglosen Versuch, das Produkt käuflich zu erwerben, schlichtweg gefrustet, denn er möchte das Produkt jetzt. Deshalb versorgt er sich eben – und das unentgeltlich – zum Beispiel im Internet. Diese ‚Umsätze‘ gehen dann nicht nur am Handel, sondern auch an allen Musikschaffenden vorbei. Von möglichen Auswirkungen auf die Charts-Platzierungen aufgrund ausbleibender Meldungen bei Media Control einmal abgesehen.
Soweit zur Praxis im Musikhandel. Auch wenn ich Ihnen zugute halte, dass Sie bei diesen Mechanismen im Tonträgermarkt nicht im Thema sind, sind mir Ihre diesbezüglichen Aussagen völlig unverständlich. Ihre Darstellung aber, dass gerade das Medium Radio die große Unterstützung nationaler Künstler sei, kann ich beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass eine nationale Radioquote gefordert wird, wenn das Radio die nationalen Künstler doch so unterstützt?
Die hier geführten Diskussionen zu diesem Thema und zum Formatradio in der jüngsten Vergangenheit sprechen doch wohl eine deutliche Sprache. Im übrigen sei Ihnen versichert, dass der Handel bereits seit Jahren mit der Industrie über alternative Vertriebswege spricht, doch können diese kaum effizient wirken, wenn das Medium Radio durch solch lange Promotionvorlaufzeiten die Nachfragen der Konsumenten zum VÖ-Termin hin eher mindert. In der Hoffnung auf künftig sachlichere Plädoyers Ihrerseits verbleibe ich mit besten Grüßen.“
Michael Huchthausen, Vorsitzender des Fachverbands Tonträger im GDM



