Musik

Promotionvorlauf: „Den Handel wird es bald nicht mehr geben“

Erst plädierte Robert Larasser, Geschäftsführer RL Promotion, . Dem setzte Michael Huchthausen, Vorsitzender des Fachverbands Tonträger im GDM, . Jetzt meldet sich mit Joachim Haas ein Betroffener zu Wort.

“Guten Tag, Herr Huchthausen, Sie haben Recht, aber das nutzt nichts. Schade. Denn Herr Larasser wünscht sich ja neue Vertriebswege für künftige Neuerscheinungen. Nur wird von diesen imaginären Vertriebswegen der Handel nichts mehr haben, denn es wird ihn vielleicht bald nicht mehr geben. Guten Tag, Herr Larasser, Sie haben Recht, aber auch Ihnen nutzt das nichts. Kürzere Promotionvorläufe sind zwar nicht ‚Schwachsinn‘, aber bald gänzlich unnötig. Erstens, weil sowieso kaum noch jemand Singles kauft. Zweitens, weil kaum noch bei den Sendern promotet wird, jedenfalls merke ich davon nichts. Ich arbeite als Inhaber eines Fachgeschäftes für Tonträger seit 17 Jahren täglich an der ‚Front‘ und erfahre, dass für sehr viele Kunden nur noch eines zählt: schneller die Musiktitel und Kinofilme zu Hause zu haben als andere. Diese meist jungen Kunden sitzen Nächte lang vor dem Computer, laden File um File aus dem Internet, günstig mit der Flat-Rate ausgestattet, aber ohne Qualitätsbewusstsein.

Für die neue Generation gibt es in jeder Hinsicht nur noch zwei Zauberwörter: Sofort und umsonst! Oder anders: Geiz ist geil! In den hiesigen Radiosendern (WDR 2, Eins Live) wird mir genau dieser Werbespruch seit Wochen täglich mehrmals zusammen mit den selben, immer wiederkehrenden Musiktiteln untergejubelt. Dabei fällt folgendes auf: Titel aus den Hitparaden werden den ganzen Tag über einerseits so oft gespielt, dass sie einem schnell zum Hals heraus hängen. Andererseits werden bis zu 20 Jahre alte Titel, zum Beispiel von Paul Carrack, fast täglich gedudelt, während Titel aus aktuelleren Alben von ihm komplett ignoriert werden, obwohl sie vollkommen ‚radiotauglich‘ sind. Und dann lädt man noch regelmäßig Prominente ein, die über sich und ihre Karriere erzählen. Oft stehen hier Musiker Rede und Antwort. Aufgelockert werden diese Gespräche mit Musiktiteln. Weit gefehlt, wer jetzt denkt, dass man dann Titel der entsprechenden Interpreten spielt.

Meine Bitte an alle Beteiligten: · Erstens: Promo-Vorläufe auf acht bis zehn Tage verkürzen, früher ging das auch! Programme abwechslungsreicher gestalten; Millionen radiotauglicher Musiktitel stehen zur Verfügung, doch nur ein winziger Teil wird gespielt.

· Zweitens: Die Vertreter des Handels sollen weiter kämpfen, sich nichts gefallen lassen, wenn man neue Vertriebsformen sucht, die den Handel schädigen.

· Drittens: Die Handelsabgabepreise für sämtliche Tonträger, inklusive DVD, müssen dringend um zehn Prozent gesenkt werden!“

Joachim Haas, Musikiosk, 41065 Mönchengladbach