Musik

Prof. Werner Hay, Deutsche Phono-Akademie: „Lobbyarbeit braucht höheren Stellenwert ‚

Am 19. Juni traf im Berliner Kanzleramt Bundeskulturminister und Monika Griefahn, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag. Die war gebeten worden eine neue Projektidee im Rahmen ihrer Initiative „MachtMehrMusik/Schule braucht Musik“ zu präsentieren. Im Interview mit musikwoche.de berichtet Hay von dem Treffen.

musikwoche.de: Die Deutsche Phono-Akademie hat im Rahmen ihres Engagements für mehr und besseren Musikunterricht an den Schulen ein neues Modell entwickelt. Was beinhaltet die Idee der „100 Projektschulen“?

Prof. Werner Hay: Die Deutsche Phono-Akademie hat in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen in den vergangenen Wochen und Monaten Kindern aus Grund- und Hauptschulen Musik präsentiert. Schüler und Lehrer waren von unseren Aktivitäten begeistert und wollen zum Teil in Eigeninitiative das von uns vorgestellte Modell der „musikalischen Nachbarschaftshilfe“ fortführen. In der zweiten Phase wollen wir die in diesem Test großartig gelaufenen Maßnahmen breitflächig in 100 Schulen in Deutschland etablieren. Hierzu sind finanzielle Mittel nötig. Wir gehen davon aus, dass pro Schule 10 000 Mark für den Anschub erforderlich sind, um als Basis ein unterstützendes Netzwerk des Musikunterrichts zu etablieren, es ist also ein Finanzbedarf von rund einer Million Mark da. Da wir diese Mittel nicht bereit stellen können, werden wir Bund und Länder auffordern, einen entsprechenden Etat für das Modell zur Verfügung zu stellen.

mw: Welche Funktion hatte das Treffen in Berlin?

Hay: Der erste Besuch im Büro des Staatsministers Prof. Dr. Nida-Rümelin, in Anwesenheit von Monika Griefahn, war als Sondierungsgespräch geplant. Ich habe Frau Griefahn und Herrn Nida-Rümelin die Maßnahmen unserer Aktivitäten dargestellt, um mit ihnen über Möglichkeiten und Perspektiven einer Zusammenarbeit bzw. Förderung unserer Aktivitäten zu sprechen. Die katastrophale Situation im Musikunterricht in allgemeinbildenden Schulen war ihm durchaus bekannt, er interessierte sich hierbei besonders für Zahlenmaterial und die Ergebnisse unserer Recherchen.

mw: Wurden bei diesem Treffen Beschlüsse gefasst?

Hay: Es wurde vereinbart, dass künftig außer dem Ministerium von Herrn Nida-Rümelin auch das Bundesjugendministerium zur Lösung der Problematik hinzugezogen werden soll.

mw: Ihre Reise nach Berlin hatte hohen Symbolwert. Sollen zukünftig die Verbände der Musikwirtschaft nicht besser gleich in unmittelbarer Nähe zu Reichstag und Kanzleramt ihre Büros haben?

Hay: Ich bin überzeugt, dass allein räumliche Nähe zum Reichstag, Kanzleramt oder relevanten Ministerien noch lange nicht den Zugang zu diesen Institutionen erleichtert. In jedem Fall müssen Termine vereinbart werden und hierbei ist es unerheblich, von welchem Standort aus dies geschieht, was die Arbeit der Deutsche Phono-Akademie als Kulturinstitut der Musikwirtschaft betrifft. Bei reinen Wirtschaftsverbänden mag die Situation, insbesondere auf der Referentenebene, anders sein. Generell muss die politische Lobbyarbeit für unsere Branche in Zukunft einen viel höheren Stellenwert erhalten. Die Filmwirtschaft hat uns hier einiges voraus!

mw: Welche Erwartung haben Sie bezüglich des begonnen Dialoges mit der Regierung, ist in absehbarer mit einem gemeinsamen Projekt zu rechnen?

Hay: Ich erwarte materielles und immaterielles Feedback und eine deutlichere Unterstützung unserer Arbeit in Bund und Ländern. Ich hoffe, dass die Medien unsere Aktivitäten und Bemühungen endlich verstärkt begleiten und unterstützen. Nur durch Druck auf die politisch Verantwortlichen kann eine Änderung der katastrophalen Lage im Bereich Musikunterricht in deutschen Schulen herbeigeführt werden. Ich rechne mit einem positiven Ergebnis der begonnenen Gespräche mit dem Staatsminister Nida-Rümelin. Sollte das nicht der Fall sein, werde ich auf demselben Flur desselben Gebäudes in Berlin dem Bundeskanzler unser Anliegen vortragen.