Musik

„Privat höre ich unsere Musik nicht“

AnNa R. von Rosenstolz über ihr neues Album „Das große Leben“, Musik, die Zusammenarbeit mit Peter, ihre Fans und die Nervosität vor der großen Tour.

“ Ihr arbeitet jetzt seit 15 Jahren zusammen, geht man sich irgendwann auf die Nerven?

AnNa: Wir haben sehr früh erkannt, dass wir auch Abstand voneinander brauchen. Es liegt vielleicht auch daran, dass wir von Anfang an einen sehr unterschiedlichen Freundeskreis hatten. Eigentlich ist es wie in einer Beziehung. Wir lassen uns Freiräume und achten darauf, dass wir nicht ständig aufeinander hocken, schließlich arbeiten wir ja schon genug zusammen. Ich glaube, das ist unser persönliches Rezept, damit wir uns nicht so doll auf den Geist gehen.

“ Was ist das Schöne an der Zusammenarbeit mit Peter?

Was ich immer wieder besonders spannend finde, ist, dass Peter sich so freuen kann. Er ist sehr ehrgeizig und auch ansonsten sehr impulsiv. Wenn er sich ärgert, dann ärgert er sich sehr. Aber wenn er einen schönen Song geschrieben hat und der wird dann so, wie er sich den vorstellt, dann freut er sich wie ein kleines Kind und das noch nach 15 Jahren. Jedes Mal wieder und das ist einfach sehr sehr schön.

“ Ihr habt euch ja langsam nach oben gearbeitet, eure anfangs kleine Gruppe von Fans ist mittlerweile zur richtig großen Fanbase geworden. Was hat sich für euch verändert?

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil wir das nicht so richtig beurteilen können. Es ist ja doch langsam gegangen. Wir haben mit jeder Platte und jeder Tour neue Fans gewonnen. Aber es war nicht explosionsartig. Wir verkauften ja nicht plötzlich 10.000 CDs statt 20.

Wir haben uns auch nicht sofort getraut in jeder Stadt große Konzerte zu geben. In München hatten wir zum Beispiel das Glück im Zirkus Krone zu spielen. Es war doch ein eher kleines Konzert und viele unserer Fans waren dann leider enttäuscht, dass sie nicht hingehen konnten. Das war dann schon schade – also versuchen wir es dieses Jahr mal ein bisschen größer.

“ Kannst du dich noch frei bewegen oder erkennen dich Fans ständig?

Wenn ich gemeinsam mit Peter unterwegs bin, werden wir sehr oft erkannt. In dem Teil von Berlin, wo ich wohne, passiert mir das nicht so oft. Die Leute, zu denen ich gehe, wissen es zwar, sind aber wohl aus einer anderen privaten Welt und denen ist das so scheißegal. Wir haben einmal in einem Laden einen Kurzfilm gedreht und die Besitzerin war völlig baff: ‚Ja stimmt, ich hab völlig vergessen, dass du so was machst.‘ Das spielt für mein privates Umfeld einfach gar keine Rolle.

Außerdem bin ich ja auch meistens nicht so gestylt, wenn ich auf die Straße gehe.

“ Eure Musik wird irgendwo zwischen Schlager und Pop eingeordnet. Wo seht ihr euch?

Wir sind nicht so richtig gut einzuordnen. Wir sagen selbst, dass es im eigenen Sinne schon Pop ist, weil es da auch keine eigenen Regeln oder Grenzen gibt. Pop ist außerdem von dermaßen vielen Musikrichtungen beeinflusst, dass man eigentlich auch alles machen kann. Pop kann US5 sein und Pop kann aber auch Rosenstolz sein. Im Endeffekt heißt es ja nichts weiter als im Moment populäre Musik.

“ Eure Lieder handeln immer von Freundschaft und Liebe. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, auch zum Beispiel politische Themen anzusprechen?

Das haben wir schon mal gemacht, aber nicht so richtig. Ich glaube, das können auch andere Leute besser. Das ist so gar nicht unser Ding. Was wir machen, ist sozusagen Friedens- und Weltpolitik im Kleinen. Es fängt ja beim Menschen an und den richtigen Umgang mit den Mitmenschen und Toleranz versuchen wir ja oft zu vermitteln. Es fängt bei jedem Einzelnen an und so machen wir sozusagen die große Weltpolitik im einzelnen Menschen – und fangen damit natürlich bei uns an.

“ Euer letztes Album „Herz“ war sehr erfolgreich. Standet ihr bei dem neuen Album unter Druck?

Nein. Dadurch, dass wir uns nach 13 Jahren eine kleine Auszeit und etwas Zeit für uns genommen haben, hatten wir auch genug Zeit für das neue Album. Wenn die ersten Songs nichts geworden wären, hätten wir sie eben im nächsten Jahr noch einmal aufgenommen.

Wir hatten jetzt ein Nummer-eins-Album und alle anderen waren auch in den Top Fünf. Wir können die Nummer eins ja nicht mehr toppen, also war insofern kein Druck da.

“ Gibt’s auf dem neuen Album Songs, die dir viel bedeuten?

Das ist sehr schwer, weil es ein sehr rundes Album ist und sich die Songs ähneln – was auch gewollt und bewusst so ist. Bei mir sind Lieblingssongs immer sehr stimmungsabhängig. Gerade ist es „Woran hält sich die Liebe“, das kann sich in zwei Stunden aber auch schon wieder ändern. Das Album ist aber auch noch zu neu. Ich kann das nicht so schnell sagen.

“ Habt ihr daran gedacht, auch mal in einer anderen Sprache zu singen?

Das haben wir schon verschiedentlich gemacht. Aber nie wirklich ernsthaft, weil Deutsch unsere Sprache ist. Wir nehmen zwar als Hobby immer ein zwei Lieder in Französisch auf, weil es sehr schön klingt, aber damit haben wir noch nicht wirklich was gemacht.

“ Hörst du privat deine Musik?

Nein, nur während des Arbeitens und zur Tourvorbereitung. Ich finde es sonst komisch. Mein Haus wird eigentlich von Rosenstolz abgeschottet. Ich brauche das. Es ist ein bisschen wie bei einem Schauspieler – ich will damit nicht sagen, dass ich auf der Bühne unecht bin – aber dennoch eine Kunstfigur, die ein völlig wirres Leben führt.

Und da gibt’s eben noch einen zweiten Teil der AnNa – die private AnNa. Die will ich zu Hause lassen. Wir sprechen dort auch nur ganz wenig über Rosenstolz. Mein Mann macht zwar die Making Ofs und Kurzfilme, über die wir uns dann schon unterhalten, aber das war’s dann auch. Wenn es sich vermeiden lässt, reden wir nicht über die Arbeit und somit nicht über Rosenstolz.

“ Was hörst du gerne privat?

Ich höre ziemlich viel. In bestimmten Lebenslagen höre ich bestimmte Musik. Besonders gerne mag ich gitarrenlastige Musik, aber auch Punk-Rock. Britt-Bands find ich nicht so toll, die jammern mir zu viel. Electronic ist auch nicht so ganz mein Ding. Mir ist vor allem eine schöne Stimme wichtig – sie muss interessant sein und sehr viel Gefühl haben und mich berühren können. Und eine schöne Melodie muss dabei sein, sie kann auch unter Lärm versteckt sein, aber man muss sie hören.

Ich persönlich mag Frauenstimmen nicht so besonders. Ich hatte Anfangs auch Probleme mir meine eigene Stimme anzuhören – mit den Jahren gewöhnt man sich aber daran.

“ Ihr habt beim Vorentscheid zum Grand Prix mitgemacht – würdet ihr es noch mal machen?

Das müssen wir nicht wiederholen. Was vielleicht noch einmal in Frage käme, wäre in der Ted-Pause als Gäste aufzutreten. Aber in der Wertung sicher nicht mehr.

Unser Ziel damals war es auch nicht zu gewinnen. Denn wer hat gegen Guildo Horn und die Bildzeitung schon eine Chance. Viele sahen uns dann als heimliche Sieger und meinten, wie schade es wäre. Das fanden wir gar nicht. Es haben 17.000 Leute für uns angerufen, das war unglaublich, damit hätten wir nie gerechnet.

“ Habt ihr mal daran gedacht aufzuhören, weil es euch zu viel geworden ist?

Nicht wirklich. Nach der „Herz-Tour“ hab ich aber gesagt, wenn das noch länger so weitergeht, schaff ich es nicht mehr und muss mich selber ausschießen, ob wer mitzieht oder nicht. Das war aber nicht wirklich ein ernst gemeinter Plan. Ich wollte einfach ruhiger treten und Pause machen und Peter hat das genauso gesehen und darum – nicht nur, aber auch – haben wir uns die Pause gegönnt.

“ Am 12.04. startet eure große Deutschlandtour. Schon aufgeregt, oder ist es bereits Routine?

Um Gottes Willen – nein. Ich glaub das kann nie Routine sein. Aufgeregt, bin ich zwar noch nicht, aber das kommt mit Sicherheit noch. Ich verdränge es noch ein bisschen, da es noch etwas hin ist. Ich habe einfach auch Schiss. Es sind doch so viele Konzerte. Ich frage mich, ob das meine Stimme auch mitmacht. Man betrachtet es als großes Ganzes und nicht als einzelne Teile, wie man eigentlich sollte. Während der Tour fängt man dann aber, an im 3-Tage-Rhythmus zu denken.