Eine Ende der Durststrecke am US-Markt ist noch lange nicht in Sicht, doch erstmals in diesem Jahr verkauften zwei Alben mehr als 100.000 Stück in einer Woche. Das bedeutet für die Formationen Pretty Ricky und The Shins Charts-Platzierungen in ungewohnten Höhen.
Die HipHop-Band aus Miami schafft dank 132.000 Verkäufen den Einstieg auf Rang eins mit ihrem Album „Late Night Special“. Bislang kam das Quartett nicht über Platz 16 hinaus.
Noch deutlicher fiel die Leistungssteigerung für The Shins aus: Die Band aus Portland (Oregon) fristete seit 1997 ein Dasein in der Indie-Nische, bis Schauspieler und Regisseur Zach Braff zwei Songs in seinem 2003er-Film „Garden State“ einsetzte. Im Film versichert die von Natalie Portman verkörperte Figur dem von Zach Braff selbst gespielten Hauptdarsteller, dass der Titel „New Slang“ ihr „Leben verändern“ werde. Diese Einbindung im Soundtrack verhalf der Band um James Mercer beinahe über Nacht zu landesweiter Berühmtheit.
Trotz zahlreicher Anfragen von Majors blieben The Shins ihrem Label Sub Pop treu, das nun von „Wincing The Night Away“ 118.000 Exemplare verkaufen konnte. Für Sub Pop ist das einer der größten kommerziellen Erfolg der Firmengeschichte. Die bislang höchste Charts-Position (79) für das Label aus Seattle erzielten die Afghan Whigs 1996 mit „Black Love“. Und „Bleach“, das 1989 bei Sub Pop erschienene Debüt von Nirvana, verkaufte seine weltweit rund vier Millionen Einheiten erst, nachdem die Band über Geffen mit „Nevermind“ zu Weltstars wurde.
Somit bleibt für Chris Daughtry, den Spitzenreiter der letzten Woche, nach 80.000 weiteren Verkäufen seines Debüts „Daughtry“ Platz drei, gefolgt von der Sony-BMG-Compilation „2007 Grammy Nominees“ mit 77.000 Einheiten. Seinen höchsten Charts-Einstieg erlebt auf Position fünf John Mellencamp mit „Freedom’s Road“. Das Album fand auf Anhieb gut 56.000 Käufer. Mellencamps Label UMe beschritt für die Promotion der Platte einen alternativen Weg: Weil US-Radios kaum noch neue Musik von alternden Rockstars in ihr Programm aufnehmen, schloss Universal einen Sync-Deal mit dem Autohersteller Chevrolet. Seit September laufen nun Werbespots für den neuen Pick-up Silverado, in denen Mellencamp zu sehen ist und seine aktuelle Single „Our Country“ singt.
Der Oscar-nominierte Soundtrack zu „Dreamgirls“ sinkt nach rund 56.000 weiteren Verkäufen auf Platz sechs, dahinter reiht sich Akon mit zusätzlichen 50.000 Kopien von „Konvicted“ ein. Von Rang 16 auf die Acht verbessert sich Robin Thicke mit 45.000 Verkäufen von „The Evolution Of Robin Thicke“. An die neunte Stelle fällt der Soundtrack zu „Jump In!“ mit 44.000 verkauften Einheiten, Justin Timberlakes „FutureSex/LoveSounds“ kann sich mit 39.000 Kopien auf Rang zehn retten.
Mit 8,49 Millionen verkauften Alben konnte sich die US-Branche zwar im Wochenvergleich um 4,9 Prozent leicht verbessern, doch angesichts des insgesamt äußerst schwachen Januars plagen den Handel weiter herbe Verluste. Die aktuellen Absatzzahlen liegen um 15 Prozent niedriger als vor einem Jahr. In der kommenden Woche könnte jedoch Norah Jones für Erholung sorgen. Nach ersten Trends liegt „Not Too Late“ auf Kurs zu einem Erstwochenergebnis von 350.000 Verkäufen.



