Musik

pop:forum mit starker Resonanz: Aufwind für die Szene Mannheims

Auch beim dritten Mal erwies sich das pop:forum als sinnvolle Veranstaltung. Neu war in diesem Jahr ein gut besuchter Fachkongress, der mit Panels und Diskussionen das Informationsbedürfnis der Fachbesucher kaum stillen konnte.

Mit rund 500 Gästen aus Musikbranche, Medien, Politik und Wirtschaft bot das Branchenmeeting in Baden-Württemberg genug Gelegenheit zur – auch interdisziplinären – Kommunikation und blieb trotzdem von der geschäftigen Unverbindlichkeit größerer Jahrmarktsmessen verschont. So viele Besucher gab es noch nie – „in Krisenzeiten sind die Kirchen voll“, so der Kommentar von Gerold Hug von der veranstaltenden Rockstiftung Baden-Württemberg. Seine Anziehungskraft gewann das pop:forum, das am 20. April in der Alten Feuerwache unter der Schirmherrschaft der Deutschen Phono-Akademie und mit Unterstützung von SWR3, der Stadt Mannheim, von musikwoche.de und des Staatsministeriums Baden-Württemberg über die Bühne ging, sicher nicht allein wegen der Live-Auftritte junger Bands aus Südwest. Vor allem der Fachkongress versammelte als neuer Bestandteil des Frühjahrsmeetings branchenübergreifend die Experten – aus Plattenfirmen, Funk und Fernsehen, von DaimlerChrysler bis zu Kulturämtern und Konzertveranstaltern.

So diskutierten drei Arbeitsgruppen intensiv die Themen „Popcommunities – Förderung vor Ort“, „Kreatives Artist Development – Bandpool als A&R-Tool“ und „Wie sieht der Event 2010 aus“. Die stundenlangen Sitzungen, die viele Teilnehmer dennoch als zu kurz empfanden, lieferten als Ergebnis eine Fülle von Anregungen und Ideen, die es aufzugreifen und fortzuführen gilt. Die zwei Podiumsdiskussionen zu den Themen „Traumjob Musikbranche“ und „Wer bestimmt die Trends von morgen?“ stießen auf ebenfalls auf starkes Interesse. Zwar mochte angesichts der gegenwärtigen Lage der Branche keiner der Panelisten ernsthaft von „Traumjobs“ in der Branche sprechen, aber bei der Frage nach den Trends von morgen kam dann fast schon wieder Optimismus auf, als zum Beispiel Dr. Motte als Miterfinder der Love Parade bekannte: „Ich sehne mich nach einer Revolution.“ Titus Dittmann, „Lord of the Skateboards“ und mit seiner Titus AG Unternehmer des Jahres 2001, pflichtete bei: „Leidenschaft ist wichtiger als eine Marketingstrategie – Leidenschaft ist das A und O.“ Und auch Sony Music-Chef Dr. Balthasar Schramm betonte: „Trends werden nicht von uns, also der Industrie oder den Medien, gemacht, sondern entwickelten sich immer aus den Szenen.“ Und insofern gewann Mannheim als Tagungsort dann vielleicht sogar ein wenig symbolischen Charakter: Hat die Szene Mannheims doch schließlich auch die Söhne Mannheims hervorgebracht und mit Xavier Naidoo einen Künstler, den garantiert kein Marketingstratege hätte erfinden können – der aber dennoch seit Wochen die deutschen Charts anführt. Alle Panels des Branchenmeetings gibt es als Videos im Internet.