Musik

Polydor bringt Musik ins Abendprogramm

Mit „Claudia Jung: Mein München“ setzt Polydor am 18. Oktober die Kooperation mit Radio Bremen fort. Im Gespräch mit musikwoche.de erläutert Polydor-Chef Jörg Hellwig, wie Musiksendungen in der Prime-Time funktionieren können.

“Reine Musik-Specials haben kaum noch eine Chance auf einen Prime-Time-Platz im Fernsehen – selbst Elton John landet um 23.30 Uhr nach dem ‚Sportstudio““, schildert Jörg Hellwig, Managing Director Polydor, im Gespräch mit musikwoche.de. Dies zu ändern, hatten sich Polydor und Radio Bremen zum Ziel gesetzt, als im Mai vergangenen Jahres die ARD mit „Karel Gott: Mein Prag“ den ersten Teil einer neuen Fernsehreihe ausstrahlte. Ursprünglich wollte Radio Bremen ein Fernseh-Special zum 60. Geburtstag von Karel Gott produzieren, dies passte jedoch nicht zur geplanten Karel-Gott-CD. „Deswegen haben wir uns mit Radio Bremen zusammengesetzt und ein Konzept entwickelt, das Prime-Time-fähig ist: Reiseziele mit Musik verbinden.“ Da die erste Sendung eine gute Quote erzielte, bauten die Verantwortlichen das Konzept zur Serie aus. Howard Carpendale stellte im März 2000 Südafrika vor, James Last berichtete über „Mein Miami“ und Otto führte durch „Mein Ostfriesland“. Claudia Jung stellt am 18. Oktober München vor, am 13. Dezember folgt Athen mit Nana Mouskouri. „Und auch bei der ARD-Konferenz, wo sich Radio Bremen den Sendeplatz jeweils freischaufeln muss, ist unser Konzept sehr gut angekommen“, berichtet Hellwig. Die Sendereihe, die Polydor mit einer finanziellen Beteiligung unterstützt, erstellt ein kleines Team bei Radio Bremen um Jörg Sonntag (Redaktion/Regie) und Silvie Andreassen (Redaktion) – in „familiärer Zusammenarbeit“ mit Jochen Schuster, Director A&R/ Marketing MOR & Comedy, den TV-Promotern und den jeweiligen Produktmanagern bei Polydor. „Die Umsetzung erfolgt sehr hochwertig und filmisch anspruchsvoll. Die Serie sollte vor allem nicht spießig wirken“, meint Hellwig, der positive Auswirkungen auf die Verkaufszahlen feststellt: „Bei der Show mit Howard Carpendale erfuhren die Verkäufe einen regelrechten Push: Die CD stieg noch einmal und blieb länger in den Charts.“ Nicht alle Polydor-Künstler eignen sich für die Show: „Wir haben aus unserem Roster ARD-typische Künstler ausgewählt, die auch sonst in den ARD-Unterhaltungsprogrammen auftreten und diese eher konservative Zielgruppe ansprechen. Grundvoraussetzung war jedoch ein hoher Bekanntheitsgrad. Ich würde auch sehr gern Specials mit Juliane Werding oder Rosenstolz machen. Aber das kann erst verwirklicht werden, wenn wir das Format etabliert haben. Dann wären auch internationale Künstler wie Chris de Burgh denkbar.“ Bei James Last und Howard Carpendale kam es zudem zu einer Zweitverwertung: Die Lang-Versionen der Sendungen erschienen auf DVD.