Musik

Plattenproduktion als Trauerarbeit

Auf ihrem Debüt „Funeral“ kombiniert die kanadische Formation Arcade Fire so virtuos wie eigenständig Pathos und Pop.

In den USA und in Kanada erschien die Platte bereits vor einigen Monaten bei Merge Records und löste bei Fans und Kritikern einen Sturm der Begeisterung aus. Und das verwundert nicht, denn die Band um Songwriter und Sänger Win Butler begeistert auf „Funeral“ (Rough Trade/Sanctuary/rough trade) mit zehn bewegenden Songs, bei denen die üblichen Vergleiche mit anderen Formationen, etwa „Talking Heads„, „Pulp“ oder gar David Bowie, samt und sonders ins Leere laufen. In so bequeme Schubladen lassen sich Arcade Fire nicht einordnen.

„Ich schreibe erst seit vier Jahren Songs“, bekennt Win Butler freimütig. „Wir haben uns, seitdem die Band besteht, vor allem auf das Songwriting konzentriert. Eine Veröffentlichung unserer Musik war uns erst einmal gar nicht so wichtig.“

Alles kein Vergleich

„Arcade Fire“ wollten hauptsächlich genug gute Songs sammeln und dann über ihre weiteren Schritte nachdenken. Inzwischen fühlen sie sich von den positiven Reaktionen ein wenig überrollt. Aus der Ruhe bringen lässt sich die Band, die auf Fotos immer seltsam deplaziert wirkt, dadurch allerdings nicht.

„Wir stehen all den Versuchen, unsere Musik mit anderen Künstlern oder Bands zu vergleichen, sehr zurückhaltend gegenüber“, sagt Win Butler. „Unser musikalischer Background ist sehr verschieden und reicht von den ‚Pixies‘ über die ‚ Beatles‚ und ‚The Clash‘ bis hin zu Jazz und Klassik.“

Selbst ist der Musiker

Der Titel des Albums erklärt sich daraus, dass während der Aufnahmen insgesamt neun Verwandte von Bandmitgliedern verstarben. „Mit dieser Platte nehmen wir auf sehr persönliche Weise Abschied von ihnen. Unsere Art zu trauern unterscheidet sich eben ein wenig von den üblichen Formen.“

Gerade das Gefühl von Verlust und Trauer habe die Band bei den Aufnahmen zusammengeschweißt, und so wurde aus „Funeral“ ein Album von außergewöhnlicher musikalischer Tiefe. „In Montreal sind wir mit unserer Musik weitgehend auf uns selbst gestellt“, erklärt Butler.

„Es gibt dort keine typische Independent-Szene. Deshalb muss man sich alles selbst erarbeiten. Einer der bewegendsten Momente unserer bisherigen Karriere war sicherlich der Auftritt in New York, als wir zusammen mit David Byrne einen unserer Songs spielten.“ Vielleicht ist ein Vergleich mit Byrne und den Talking Heads doch nicht gänzlich abwegig.