Musik

Plattenfirmen präzisieren Kopierschutz-Pläne: „Wir erwarten nicht den Beifall der Piraten‘

Vergangene Woche brachten die Ankündigungen mehrerer Plattenfirmen, ihre Veröffentlichungen mit einem Kopierschutz zu versehen, Schwung in die Debatte um illegale CD-Brennerei. musikwoche.de fragte Verantwortliche nach den Details.

, Director Planning GSA bei EMI Music: “ hat im letzten Jahr begonnen, einige besonders kopiergefährdete Promotion-CDs mit einem Kopierschutz zu versehen. Wir arbeiten seit Anfang Juni daran, auch kommerzielle CDs zu schützen, und wollen voraussichtlich die ersten dieser CDs im Herbst im Markt haben. Wir werden sukzessive beginnen, zuerst besonders kopiergefährdetes Repertoire zu schützen und dabei die notwendigen Erfahrungen sammeln. Alle kopiergeschützten CDs werden von Tests begleitet, damit sichergestellt ist, dass die CDs auf herkömmlichen CD-Playern problemlos laufen.

Die Ausweitung auf internationales Repertoire setzt ein gemeinsames Vorgehen mit unseren Schwesterfirmen im Ausland voraus. Daran arbeiten wir. Bei der technischen Umsetzung des Kopierschutzes werden wir auf die langjährigen Erfahrungen von Spezialunternehmen zurückgreifen. Dabei muss eine permanente Weiterentwicklung der Kopierschutz-Maßnahmen gewährleistet sein. Dies schließt in einer zweiten Stufe auch Abwehrmaßnahmen gegen Internet-Piraterie mit ein.“

Auf die Frage, ob die Einführung eines Kopierschutzes den Konsumenten verärgern könnte, meint Mahlmann: „Unabhängig davon, dass es keinen Anspruch auf Abspielbarkeit auf PC-Laufwerken gibt, werden nach Möglichkeit Kopierschutz-Verfahren eingesetzt, die das Anhören der Tracks über den PC ermöglichen. Dazu gibt es momentan mehrere technische Ansätze, zum Beispiel über speziell codierte Musik-Files auf der CD oder über Zugriffsmöglichkeiten via Internet-Links. Die Entwicklung dieser Alternativen ist aber noch nicht abgeschlossen. Wir erwarten natürlich nicht den Beifall der Raubkopierer.“ Eine gemeinsame Lösung aller Plattenfirmen lehnt Mahlmann ab: „Das dürfte nicht im Sinne der Piraterie-Abwehr sein, denn eine gewisse Vielfalt der Abwehrmaßnahmen ist notwendig, um es den Raubkopierern nicht zu leicht zu machen.

, Director Corporate Communications bei der : „edel setzt einen Kopierschutz seit Beginn des Jahres ein, den ersten Versuch starteten wir mit der ‚Eis am Stiel“-Compilation. Die Entscheidung, den Kopierschutz auf alle Veröffentlichungen auszuweiten, hängt von den Reaktionen der jeweiligen Zielgruppen ab. Unser Schutzsystem ist eine Eigenentwicklung der Abteilung Neue Medien bei opti Sarodnik. Das könnte dem Hersteller optimal in Zukunft zu einem Marketingvorsprung verhelfen.“

, President : „Zur Zeit prüfen wir in Zusammenarbeit mit Sonopress diverse Verfahren. Wir werden so bald als möglich mit einem am besten geeigneten Schutzverfahren an den Start gehen. Dabei ist unser Ziel, dem Konsumenten den meisten Komfort beim Abspielen der CD zu ermöglichen und gleichzeitig unsere Künstler vor illegalem Kopieren ihres Produktes zu schützen.“

Hans-Dieter Queren, Kopierschutzexperte der BMG, ergänzt: „Zur Zeit sind rund 100.000 Tonträger im Markt mit unterschiedlichsten Kopierschutzmöglichkeiten – sozusagen als Testversion. Bis jetzt haben wir kein negatives Feedback.“ Das soll aber noch nicht alles gewesen sein: „Es sind viele weitere Überraschungen möglich. Unsere Software-Entwickler sind mindestens so kreativ wie die Hacker.“

133 Millionen… … CD-Rohlinge wurden laut einer vom Bundesverband Phono in Auftrag gegebenen Studie im vergangenen Jahr mit Musik bespielt (musikwoche.de berichtete in Ausgabe 29/2001). Das bedeutet, überspitzt gesagt: 133 Millionen Mal verletztes Copyright, 133 Millionen Mal entgangener Umsatz für die Tonträgerindustrie und den Handel. Damit der Entwicklung ein Ende gesetzt wird oder sie zumindest gebremst werden kann, beginnen viele Plattenfirmen, auf ihre Veröffentlichungen Kopierschutzvorrichtungen zu packen. Diese zielen vor allem auf die CD-Rom-Laufwerke in Computern: Wird doch ein Großteil aller illegal angefertigten CDs mit einem PC-Laufwerk gebrannt. Glaubt man den Entwicklern der Schutzsysteme, könnte damit bald Schluss sein. Dann muss der Konsument auf den Hörgenuss beim Arbeiten am PC verzichten. Spätestens Ende des Jahres wollen alle großen Plattenfirmen mit einer Lösung auf den Markt kommen.