Weder der Schuldspruch gegen KaZaA in Australien noch das Urteil des US Supreme Court gegen Grokster und Morpheus haben das Nutzeraufkommen in P2P-Netzen verringert. Auch das Verklagen von immer mehr individuellen Filesharern bringe nichts, sagen Experten. Während der US-Branchenverband RIAA nach inzwischen mehr als 14.000 Einzelklagen weiterhin von der abschreckenden Wirkung seiner Strategie überzeugt scheint, kommen den Plattenfirmen langsam die Unterstützer abhanden.
In den vergangenen Wochen schafften es die Nachrichten von den monatlich neuen RIAA-Klagen kaum noch in die meinungsführenden Medien der USA, geschweige denn, dass sie große Schlagzeilen gemacht hätten. Nun wendet sich mit der „USA Today“ auch noch eine der größten US-Tageszeitungen gegen den Verband. Unter der Überschrift „Gerichtsverfahren schrecken Filesharer nicht ab“ präsentiert das Blatt die aktuellste Statistik der Marktforschungsfirma BigChampagne, die MusikWoche bereits vorab in Heft 36 druckte.
Demnach hatten die diversen Tauschbörsen im Juli so viele Nutzer wie nie zuvor. Durchschnittlich rund 9,6 Mio. Filesharer waren im August weltweit zu jedem beliebigen Zeitpunkt mit ihren P2P-Clients aktiv. Im Juli waren es erst knapp 9,5 Mio. und im August 2004 nur 6,8 Mio.
Für BigChampagne-Chef Eric Garland steht daher fest: Der Abschreckungsplan der Musikindustrie geht nicht auf. „Filesharing war nie so beliebt wie heute. Die Leute haben inzwischen alle Mahnungen und juristischen Drohungen vernommen. Aber das reicht nicht, die Leute sind davon nicht eingeschüchtert.“


