“Ohne Videos wären wir auf eine nicht wirklich kreative Radiolandschaft angewiesen.
Etablierte Künstler können experimentell sein, denn bei Gruppen wie Die Ärzte weiß man, was sie ungefähr verkaufen werden und dass die Sender sie auch spielen – und das Budget stimmt auch. Aber bei den Newcomern, die ich als Comissioner oft betreue, muss man sich fragen: Was können die? Bei Dance-Acts müssen wir uns oft lange überlegen, was man mit denen macht. Wenn wir hier ein großes Budget hätten, findet sich immer eine witzige Idee. Mein tagtägliches Problem liegt vielmehr darin, dass die Budgets realistisch, aber nicht bombastisch sind, die Künstler gewisse Fähigkeiten, aber auch gewisse Probleme haben, die ich im Video dann auffangen muss. Aber das Hauptproblem liegt darin, dass zu dem Zeitpunkt, an dem wir über die Höhe eines Etats entscheiden müssen, noch nicht wissen, ob die übrigen Tools stimmen. Denn am Ende stehe ich dumm da: Mein Projekt, das Video, ist auf jeden Fall das teuerste, und am Ende läuft es dann wegen fehlender Club- oder Radio-Ergebnisse nicht. Das Risiko ist enorm. Man sollte nicht annehmen, dass bei einem Video für 30.000 Euro noch ungesehene Effekte und ganz neue Ideen herauskommen. Denn die eine gute Idee suchen alle.
Das Problem fängt sehr früh an, wenn nämlich Künstler zu der Firma gehen, die ihnen verspricht, auch ein Video zu produzieren – so unwirtschaftlich das dann auch sein mag. Deswegen frage ich mich, ob der Weg der ist, dass wir alle weniger Videos mit besseren Budgets machen. Oder können wir am hohen Ausstoß der Clips nichts ändern und also die Musiksender künftig sagen, wir haben mit DV kein Problem mehr?“
Silke Super, freier Comissioner für wea



