Musik

Ocean Colour Scene: „Man will immer das, was man nicht hat“

Die englische Rockband Ocean Colour Scene konnte mit ihren letzten beiden Alben die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Die neue CD „North Atlantic Dirft“ soll das Quartett jetzt auf die Erfolgsspur zurückbringen.

Nicht nur Inselbewohner haben zum Meer eine besondere Beziehung. „Wir kommen aus Birmingham. Im Urlaub fahren wir entweder an die West- oder Südküste. Das macht das Meer zu etwas Besonderem für uns“, erklärt Sänger Simon Fowler. Bei Ocean Colour Scene ist diese Nähe sogar im Namen dokumentiert. Auch der Titel ihres neuen Albums „North Atlantic Drift“ (Sanctuary/Zomba) bezieht sich auf die See. Denn, so Fowler: „Man will immer das, was man nicht hat.“ Die CD mit dem maritimen Titel folgt auf zwei Alben, „One From The Modern“ (1999) und „Mechanical Wonder“ (2001), die eher Singer/Songwriter-Charakter besaßen. „Es gab keine Mittelteile, nur Verse und Refrains“, fasst Fowler zusammen. „Ich richtete mich nach dem Muster von Bob Dylan. Auf der neuen Platte gibt es wieder Zwischenteile, vor allem, weil wir die Titel live spielen wollen. Die neuen Melodien sind sehr zugänglich.“ Die Zeit des Retro-Rocks im Zeichen von Mod-Idolen wie Small Faces und The Who sind erst einmal vorbei, „North Atlantic Drift“ enthält einfühlsamen Pop. Heutzutage klingen Ocean Colour Scene eher wie die Bee Gees. „Ich mag die Stimme von Robin Gibb, mir gefallen aber nur die frühen Songs der Band“, sagt Fowler zu diesem Vergleich. An die Mod-Phase des britischen Frontmannes erinnert nur noch die Frisur. Haare sind ohnehin ein großes Thema für Fowler. „Meine Einflüsse stammen aus Folk und Rock. Wenn ich die Wahl hätte, wäre ich jedoch lieber Mick Jagger als Richard Thompson. Er hat mehr Haare.“ Er selbst sieht sich eher als Showmann denn als Musiker. „Unser Gitarrist Steve Cradock hat mir vor fünf Jahren ein Klavier geschenkt, aber das Spielen des Instruments fand ich schwierig“, sagt der gelernte Journalist. „So überlasse ich das Komponieren den anderen und begnüge mich mit dem Texten und Singen.“ Diese Arbeitsteilung funktioniert auf „North Atlantic Drift“ wieder deutlich besser und ebnet Ocean Colour Scene den Weg, sich nach einer kleinen Pause erneut als treibende Kraft der englischen Rock-Szene zu etablieren.