“ Wie haben Sie sich am Tag nach dem Konzert gefühlt?
Barbara Clear: Unbeschreiblich gut und zufrieden. Es ist ein grandioses Gefühl, als „kleiner Wurm“ solch eine Performance auf die Beine gestellt und den Menschen solch ein Feeling vermittelt zu haben.
“ Und was für ein Gefühl war es, am 24. April allein mit einem Dutzend Gitarren auf der Bühne vor fast 8000 Menschen aufzutreten?
Ich habe schon auf größeren Bühnen vor mehr Leuten gespielt – allerdings nur mit drei Gitarren. Im Ernst: Wenn man so lange auf solch ein Konzert hinarbeitet, von dem fast alle, vor allem die Branchenprofis, eher glaubten, dass es niemals stattfindet, dann fliegt man schon weg, wenn man hört, dass Schlangen an der Abendkasse der Olympiahalle stehen, dass das Konzert deswegen um eine halbe Stunde verschoben werden muss. Und wenn man dann auf die Bühne geht und man weiß und fühlt, die Halle ist nahezu voll, dann ist da einfach nur noch Freude und eine immense Lust, Musik zu machen.
“ Mal ehrlich: Haben Sie in den zweieinhalb Jahren Vorbereitung nicht doch zwischendurch mal gezweifelt, ob das überhaupt klappen würde?
Dass ich das Olympiahallen-Konzert spielen werde, daran gab es nie einen Zweifel. Je näher der Termin allerdings rückte, desto öfter kamen schon Zweifel, ob ich es schaffen kann, die Halle halbwegs zu füllen. Als ich im Januar nach meinem Pressemeeting in der Muffathalle merkte, dass die Medien meine Geschichte positiv aufnahmen und mir helfen wollten, da war ich mir sicher, dass ich mit dieser Unterstützung 5000 bis 6000 Menschen für mein Konzert gewinnen kann.
“ Bei wie vielen verkauften Eintrittskarten lag der Breakeven?
In unserer Planung bei 6000, schlussendlich ging’s kostendeckend auf, weil noch ein paar Kosten dazu kamen.
“ Hinterher ist man schlauer: Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?
Ich glaube, wir haben alles ausgeschöpft, was im Rahmen meiner Möglichkeiten lag. Es gibt eigentlich nur einen Punkt: Da ich sehr viele Konzerte in hoher Frequenz auf meiner „Ticket to Munich“-Tour selbst veranstalten musste, lernt man auch den einen oder anderen Veranstaltungsort kennen, der vordergründig okay ist, wo man aber nie wieder spielen wird, weil’s einfach seitens der Betreiber ätzend war. Man bezahlt Geld für so manche miese Laune eines Hausmeisters.
“ Wie würden Sie sich selbst als Künstlerin und Mensch beschreiben?
Ehrlich, authentisch, gradlinig, mit einer großen Leidenschaft für Unabhängig- und Selbstständigkeit.
“ Wer unterstützt Sie – bei der CD- und DVD-Produktion, beim Booking, bei der Organisation des Konzerts?
Mit meinem Lebensgefährten bespreche ich alles, dies gibt mir die Grundlage für meine Entscheidungen. Ansonsten versuche ich, mit den besten Spezialisten zu arbeiten. Das kostet mal mehr Geld, oft aber auch weniger, weil die Leute Spaß daran haben, in ihrem Fachgebiet frei und kreativ arbeiten zu können. Die gesamte Performance vor und während des Olympiahallen-Projekts hat deshalb dank meiner Partner supergut funktioniert. Als Einzelkämpfer geht das nur so, nur mit Starken an der Seite wirst du stärker.
“ Wie viele CDs und DVDs haben Sie bis jetzt insgesamt verkauft?
Keine Ahnung. Auf dem Olympiahallen-Konzert wurden rund 800 CDs verkauft, in der Woche danach noch mal rund 1000 per E-Mail-Bestellung. Die DVD mit dem Live-Mitschnitt kommt jetzt erst.
“ Könnten Sie sich ein Gebiet vorstellen, auf dem Sie sinnvoll mit einer Plattenfirma zusammenarbeiten? Oder brauchen Sie wirklich keine Plattenfirma mehr?
Ich brauchte vor meinem Konzert in der Olympiahalle keine Plattenfirma; nach dem ganzen Medienrummel und der riesigen Akzeptanz durch die Menschen, durch mein Publikum, erst recht nicht.
“ Das Medienecho war gewaltig – über was haben Sie sich am meisten gefreut?
Dass viele Journalisten die Philosophie verstanden haben. Hier ging es nicht um die Erfüllung des Lebenstraums einer Musikerin, mal auf einer großen Bühne zu stehen, sondern darum, dass ein „kleiner Wurm“ sich dem „Du-Bist-Nur-Zum-Fressen-Da“ widersetzt und sich aufgemacht hat, aus eigener Kraft etwas zu erreichen, was eigentlich unmöglich erscheint. Unmöglich nach Meinung anderer, vor allem derer, die den Markt mit Geld und ihren etablierten Marktsystemen kontrollieren. Das betrifft nicht nur die Musikbranche. Und man sieht, dass die Journalisten am Puls der Menschen waren. Nach meinem Konzert hatte ich 90.000 Hits, am Montag danach 140.000 Hits auf meiner Homepage. Und mein Gästebuch spricht das aus, was die Menschen bewegt und was sie empfinden. Das ist auch eine Bestätigung für die Journalisten.


