Musik

Nitin Sawhney: Klangkostüm für intensive Emotionen

Madonna, Paul McCartney und Sting sind bekennende Fans von Nitin Sawhney. Für sein neues Album, „Human“ (V2/Zomba), hat der Brite indischer Herkunft seine Autobiographie vertont.

Für sein letztes Album, „Prophesy„, begab sich der studierte Anwalt Sawhney, dessen Berufung jedoch die Musik ist, auf eine musikalische Entdeckungsreise hinaus in die Welt. „Human“, sein bislang introvertiertestes Werk, reflektiert hingegen Sawhneys persönliche Lebensgeschichte. Die musikalische Farbpalette des Künstlers, mit der er die einzelnen Stationen seines Lebens nachzeichnet, reicht von der Komplexität klassischer indischer Musik über Elektronik und HipHop-Grooves bis zum modernen R&B. Das reicht von den pulsierenden House-Beats in „Eastern Eyes“, das für die Geburt steht, über die bittersüße Ballade „Say Hello“, die von Sawhneys Eindrücken als Kind indischer Einwanderer in einem Neonazi-Umfeld erzählt, bis zum R&B-lastigen Hoffnungsschrei in „Rainfall“, das so klingt, als ob der heutige Stevie Wonder für den Pop noch relevant sei.

Als es darum ging, mein Leben rückblickend zu vertonen, führte ich lange Gespräche mit den Sängern, die meine Texte interpretieren sollten. Ich wollte herausfinden, ob sich unsere Biografien überschneiden, damit sie das richtige Gefühl für die Stimmung der Songs liefern konnten. Dabei geriet ich an etliche, bislang unbekannte Sänger, auf deren Entdeckung ich ein bisschen stolz bin“, erzählt Sawhney. „Taio zum Beispiel, der einen Song mit mir schrieb und ihn auch singt, hat noch keinen Plattenvertrag.“ Weitere Kollaborateure auf „Human“ sind unter anderem Natacha Atlas und das Urban Soul Orchestra, ein Streicherquartett, das perfekt in Sawhneys elektronische Soundvisionen gebettet wird. „Als ich anfing Musik zu machen, ging es noch hauptsächlich um das Programmieren von Beats. Inzwischen nutze ich immer weniger Samples, weil ich mich eher als Komponist und Songwriter betrachte. Wenn man etwas zu sagen hat in seinen Songs, findet man einen Weg, diese Emotionen in ein intensives Klangkostüm zu stecken.“ Selten gehen gesellschaftspolitische Ambitionen und außergewöhnliches, musikalisches Talent eine derart perfekte Symbiose ein wie auf „Human“.