Musik

Niedrig-Preis etabliert die e-Wave-Acts

Drakkar Entertainment

“Metal und Gothic haben eines gemeinsam: Beides sind Nischenprodukte“, sagt Geschäftsführer Bogdan „Boggi“ Kopec im Interview mit musikwoche.de. „Ich muss keinen Radiohit haben, um in dieser Szene einen Act aufzubauen, sondern es funktioniert über Printmagazine, Clubs und Live-Präsenz. Hinzu kommt, dass Fans beider Szenen sehr treu sind. Sie kaufen Merchandise, tragen es und signalisieren so, wo sie hingehören.“ Der Labelchef aus Witten attestiert den dunklen Tönen sogar ein höheres Verkaufspotenzial als dem knallharten Sound: „Gothic ist düster gefärbte Popmusik, mit der man eher einen Clubhit landen kann. Hat man einen Hit in den entsprechenden Szeneläden, kann man eine Single auskoppeln und zum Radio gehen. Mit Metal kommt man nur in den seltensten Fällen ins Radio.“ Und Kopec weiß wovon er spricht: Kaum einer kennt die Strukturen der deutschen Metal-Szene so genau wie Bogdan „Boggi“ Kopec. Seine Firma Drakkar hat sich seit ihrer Gründung 1986 auf Schwermetall spezialisiert und ist in den Bereichen Musikverlag, Promotion, Merchandising, Management und Booking tätig. 1992 gründete er zusammen mit Wolfgang Funk das Rock/Alternative-Label Gun. Im Jahr 2000 verkaufte er seine Gun-Anteile an die BMG, weil ihm die Arbeitsbelastung zu groß wurde. Im selben Jahr gründete er dann Drakkar Records, und im gleichen Atemzug rief er das Sublabel e-Wave Records ins Leben, reserviert für Electro, Dark Wave und Gothic. Um sich mit e-Wave einen Namen zu machen, wählte er folgende Taktik: „Wir wollten ein oder zwei etablierte Künstler unter Vertrag nehmen und entschieden uns für die Band Silke Bischoff, die jetzt 18 Summers heißt, sowie für De/Vision. Ich war froh, dass sie zu uns gekommen sind, denn das hat unseren Namen in der Szene bekannt gemacht.

Die beiden De/Vision-Alben „Two“ 2001, und „Devolution“ 2003) und zahlreiche ausgekoppelte Singles waren sehr erfolgreich, alle ihre Produkte platzierten sich bislang in den Charts.“ Als Konsequenz bekam das junge Label haufenweise Demos hoffnungsvoller Nachwuchs-Talente, doch Kopec hielt sich mit neuen Signings zurück. „Wir wollen ein kleines Label bleiben. Unter Vertrag genommen haben wir T.O.Y. und Zeraphine“, zählt er auf. „Alle unsere Labels zusammen veröffentlichen pro Monat ungefähr eine Band. Insgesamt besteht unser Künstlerstamm aus 15 Bands und Künstlern. Jedes Jahr wollen wir für e-Wave einen neuen Act gewinnen.

Um die Drakkar- und e-Wave-Künstler kümmern sich neun Mitarbeiter sowie der Chef selbst. Ein wichtiges Standbein des Marketings für e-Wave ist die Club-Promotion. „Wir gehen mit jedem unserer Produkte in die Clubs. Gelegentlich fertigen wir spezielle Remixe an, die exklusiv in der Szene laufen.“ Für Videos wird dagegen kaum noch Geld ausgegeben. Denn die Chance ist zu gering, dass sie im zurückgefahrenen Programm von MTV und Viva laufen könnten. Stattdessen wird in Tour-Support, Plakate, Printanzeigen und Beihefter-CDs investiert. Neue Wege geht e-Wave auch in der Preispolitik. „Im April haben wir den gesamten Katalog heruntergesetzt: Einen Monat lang wurden unsere Produkte für 9,99 Euro angeboten“, berichtet Kopec. „Als speziellen Partner konnten wir Saturn gewinnen. Dort gab es alle Platten, darunter auch die neue von De/Vision, sogar für 6,99 Euro. Damit haben wir dann auch in Anzeigen geworben, um neue Fans auf uns aufmerksam zu machen.