Jetzt ist die Berlinerin 17 und präsentiert ihr Debütalbum, „Ocean Full Of Tears„. Auf ihm erweist sie sich als hervorragende Pianistin, vor allem aber als eines der interessantesten jungen deutschen Songschreiber-Talente.
Genau genommen begann Valentines Musikleidenschaft schon, bevor sie das Licht der Welt erblickte. Als glühende Verehrer der Gruppe Yes beschallten Valentines Eltern ihre damals noch ungeborene Tochter – als eine Art Schwangerschaftstherapie – mit den komplexen Exkursionen der britischen Prog-Rocker.
Musikalische Früherziehung
Weil ihre Mutter selbst Musikerin war und ihr leiblicher Vater lange Zeit als Tontechniker bei den Puhdys arbeitete, lag Musik sozusagen in Valentines Genen. So erschien es ihrem Umfeld nur logisch, dass es bereits die Fünfjährige zum Klavierunterricht drängte. Als wichtigste musikalische Schlüsselerlebnisse bezeichnet Valentine allerdings rückblickend die Entdeckung von Alicia Keys und der Gruppe Muse.
„Vielleicht war es ein bisschen spät in meiner musikalischen Entwicklung. Aber Muse haben mich auf den Trichter gebracht, sich etwas zuzutrauen und beim Songschreiben risikoreich und selbstbewusst zu werden“, erinnert sich Valentine. „Davor habe ich viel Alicia Keys gehört, die mich erstmals zum Songwriting inspirierte.“
Trotzdem wollte sie musikalisch in eine ganz andere Richtung gehen. „An diesem Punkt waren Muse sozusagen meine Hauptinspiration mit ihrer melodischen und gleichzeitig harten, krassen Musik. Deren Musik ist für mich zuallererst authentisch. Dieses Gefühl der bedingungslosen Ehrlichkeit wollte ich auch in meinen Songs transportieren.“
Auf eigenen Füßen
Schon bald löste sich die 13-Jährige von den Einflüssen von Muse und fand ihre eigene Muse. So entstand „Feel So Bad„, eine unkonventionelle, aber umso eindringlichere Piano-Ballade, mit der Valentine die Grenzen dieses Genres auf dramatische, hochemotionale Weise erweitert.
Mit dem Song, der jetzt als erste Single ausgekoppelt wurde, zog die Berliner Göre schließlich die Aufmerksamkeit ihres Managers Goetz Elbertzhagen auf sich, der sie beim Label Capitol unterbrachte. Während die zwölf Tracks ihres Erstlingswerks entstanden, verdiente Valentine erste Lorbeeren mit regelmäßigen Auftritten im Berliner Jazzclub Quasimodo.
In klassischer Songwriting-Tradition
Parallel traf sie eine wichtige Entscheidung, wie sie erzählt: „Mir wurde klar, dass ich mich nicht an momentanen Trends orientieren sollte, sondern ausschließlich an mir selbst. Wenn man seine eigenen Songs schreiben will, stecken so viele Eindrücke und Emotionen in der Musik und in den Texten, dass man sich an anderen gar nicht orientieren kann.“
Und weil sie sich nun mal in englischer Sprache ohnehin besser ausdrücken könne, habe sie sich „diesem momentanen Deutsch-Hype nicht mal zwanghaft entziehen müssen“. Und außer den Ärzten falle ihr kaum jemand ein, „der die deutsche Sprache in der Popmusik so einsetzen kann, dass sie nicht peinlich und didaktisch klingt“. Musikalisch orientiert sich Valentine in den zwölf Stücken von „Ocean Full Of Tears“ ebenfalls nicht an aktuellen Strömungen, sondern knüpft direkt ans klassische Songwriting der 70er-Jahre an.
Nüchtern und emotional
Sie erinnert damit an die Großtaten von Kate Bush und Joni Mitchell. Kunstvoll inszenierte Balladen und geschmackvoll arrangierte Rocknummern mit englischen Texten bilden die Pole, zwischen denen Valentine in „Ocean Full Of Tears“ scheinbar mühelos und lustvoll wandelt.
Ihr klares, nüchternes Pianospiel steht dabei immer im Vordergrund, während ihr gefühlvoller Gesang zwischen Erdigkeit, wie in der Powerpop-Nummer „Won’t Give Up“, und scheinbarer Schwerelosigkeit, wie im melancholisch balladesken „Sad“, die Sinne reizt. Bei einer derart talentierten Musikerin wie Valentine ist es dann nur mehr eine Frage der Zeit, bis ihr vermeintlicher Anti-Trend zum eigentlichen Trend wird.


