Musik

Napster-Erfinder plant Comeback

Während die Erfindung, die ihn berühmt und zugleich berüchtigt machte, demnächst nur noch als Markenhülse für ein völlig anderes Angebot dienen wird, macht sich Napster-Entwickler Shawn Fanning auf, mit seinem jüngsten Kind die Musikwirtschaft mit dem Internet zu versöhnen.

Während die Erfindung, die ihn als 18-Jährigen berühmt und zugleich berüchtigt gemacht hatte, demnächst nur noch als Markenhülse für ein völlig anderes Angebot dienen wird, schickt sich der inzwischen 22-jährige Napster-Entwickler Shawn Fanning an, mit seinem jüngsten Kind die Musikwirtschaft mit dem Internet zu versöhnen. Laut einem Report der „Los Angeles Times“ hat Fanning nach dem Aus der Tauschbörse Napster ein System entwickelt, das er in den letzten Tagen bei den Plattenfirmen vorführte. Fannings neue Technologie, für deren Weiterentwicklung er derzeit noch Geldgeber sucht, soll die Betreiber von Filesharing-Netzwerken in die Lage versetzen, Musik ohne Verletzung von Urheberrechten im Internet zu vertreiben. Funktionieren soll das in etwa wie folgt: Ein User versucht einen Titel in ein P2P-Netzwerk einzuspeisen. Dabei „scannt“ ein Programm den Audio-Fingerabdruck des Songs und erkennt, ob es sich bei dem Stück um urheberrechtlich geschütztes Material handelt. Sollte der Track in der Datenbank registriert sein, greift sofort ein Scutzmechanismus, der die Song-Datei nur gegen Bezahlung zum Download aus dem Netzwerk freigibt. Wie hoch der Preis dann sein soll, bestimmen die Rechteinhaber individuell. Noch zu seiner aktiven Zeit bei Napster wollte Fanning dieses System zum Einsatz bringen, doch dann ging dem Unternehmen wegen zuvieler Klagen und zuwenig Geld die Luft aus. Inzwischen gehören die Napster-Reste zum Software-Entwickler Roxio, der 2004 mit einem eigenen Musikangebot starten will. Neben der Finanzierung für Fannings Erfindung ist fraglich, ob Netzwerke wie KaZaA, Morpheus oder Grokster sich auf die Implementierung dieser Software einlassen werden. Zudem ist unklar, ob die Rechteinhaber das Projekt unterstützen würden. Grokster-President Wayne Russo meinte, in Anbetracht der Uneinigkeit der Plattenfirmen bei Online-Fragen, sei es für Fanning „vermutlich leichter, Jugoslawien wieder zu vereinigen“.

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