Musik

Nachgefragt: Fritz Rau, Schirmherr des f6 Music Awards

Als „vollendete Gegenwart“ bezeichnet sich Fritz Rau, der Doyen der deutschen Veranstalter. Diese Einschätzung hält den 72-Jährigen freilich nicht ab, erneut Peter Maffays Musical „Tabaluga“ zu produzieren und sich als Schirmherr und Sprecher des fünften f6 Music Awards zu engagieren.

musikwoche.de: Ist Ihr Einsatz für den f6 Music Award ein Beitrag zur Wiedervereinigung?

Fritz Rau: Überhaupt nicht. Es geht mir nur um den Nachwuchs. Dass sich das in den neuen Bundesländern abspielt, liegt daran, dass der Sponsor nur im Osten geraucht wird. Die Besitzerfirma, Philipp Morris in München, hat alle meine Bedingungen erfüllt. Die Künstler kriegen professionelles Equipment hingestellt und bekommen ordentliche Soundchecks. Wir haben hochkarätige Jurymitglieder, die eingeladen und geholt werden müssen. So ein Wettbewerb muss dem Künstler eine Chance geben, sich zu präsentieren und zu entwickeln.

mw: Müssen Sie dafür rauchen?

Rau: Eine Bedingung, die ich vor fünf Jahren gestellt habe, war, dass wir nicht mit Zigaretten und Rauchen in Verbindung gebracht werden. Ich bin Nichtraucher. Ich habe früher bis zu 60 Zigaretten geraucht, wegen Nikotin und Diabetes bekam ich einen Herzinfarkt. Wir müssen kein Bekenntnis zur Zigarette ablegen.

mw: Wie funktioniert der Wettbewerb?

Rau: Letztes Mal hatten wir 609 Einsendungen. Die Schallplattenleute in Berlin bildeten ein Gremium, das eine Vorauswahl traf. Daraus wurden 125 Acts ermittelt. Mit der Jury saßen wir dann in Leipzig drei Tage zusammen und hörten die Bänder. Das sind alles Profis, die eine Menge Geld kosten, die man da für die Jury verpflichtet. Das lässt sich der Sponsor etwas kosten.

mw: Ist ein Wettbewerb nicht immer ungerecht?

Rau: Beim ersten f6 Award 1997 wurden die Publikumslieblinge Scycs nur Zweiter. Damals war Synthie-Pop angesagt, also siegte eine Synthie-Popband, von der heute niemand mehr redet. Die knappe Mehrheit in der Jury dachte damals, die hätte die besten Marktchancen; ich wurde überstimmt. Deshalb warne ich, zu modisch zu denken. Es kommt auf die Qualität an. Jeder kann sich bewerben, wenn er originell ist.

mw: Was halten Sie von der Nachwuchsförderung der deutschen Musikindustrie?

Rau: Grönemeyer sagt, es gibt keine Plattenfirmen mehr, die genug Geduld haben. Das ärgert mich. Die Intercord hat vier Platten mit ihm gemacht, die alle Flops waren. Ich habe 1983 eine Grönemeyer-Tournee gemacht, mit Unterstützung von Intercord, zu der im Schnitt unter hundert Leute kamen. Er ging dann zur EMI. Die Firma, die Geduld hatte und einen Haufen Geld investierte, hat er verlassen. Er meint, dass heute niemand mehr vier Flops produziert. Aber die Plattenindustrie hat nicht mehr das Geld, weil die Leute die CDs kopieren. Das Business ist sehr hart, trotzdem gibt es immer wieder Durchbrüche wie Pur oder Guano Apes.

mw: Was denken Sie von Leuten in der Branche, die nur mit Stars arbeiten wollen?

Rau: Die dümmste Sendung des Jahrhunderts heißt „Superstars“. Sogar der Big Boss einer europäischen Plattenfirma macht da mit. Bohlen kann es nicht blöd genug sein, der nutzt alles zur Eigenpromotion. Mir waren Stars immer scheißegal. Ich bin nach der Musik gegangen. Zu meiner ersten Maffay-Produktion kamen 500 Leute, das deckte die Kosten nicht. Entscheidend ist, ob du an einen Künstler glaubst. Jimi Hendrix war so einer und Bruce Springsteen auch.

mw: Wie lautet Ihr Zwischenresümee des Wettbewerbs?

Rau: Fünf Jahre f6 Music Award waren jeden einzelnen Schweißtropfen und jedes Glas Bier wert. Es müssen nicht zehn Jahre werden, ich höre zwar eine Menge Musik, aber die ist nicht identisch mit dem, was hier läuft. Was nützt es, wenn ich mit Leuten über Duke Ellington, Miles Davis, Prince oder Mick Jagger rede? Wir machen das wie bei den Indianern, der Rat des alten Häuptlings findet Gehör, der junge Häuptling geht auf den Kriegspfad. Ich werde diesen Award mit viel Spaß und ganzem Herzen mitmachen. Was in der Zukunft passiert, werden wir sehen.

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