Musik

Nachgefragt: Bettina Greve über den „Sternenhimmel“

Eine Label-Chronik als Herzblut-Projekt: musikwoche.de sprach mit der zur Online-Verantwortlichen mutierten Polydor-Presseexpertin Bettina Greve über ihre mehr als zweijährige Arbeit an „Sternenhimmel“.

musikwoche.de: Wie ist die Idee zu „Sternenhimmel“ entstanden und wie kam es, dass Sie den Auftrag bekamen, diese Chronik zu schreiben?

Bettina Greve: Ende 1998 feierte die Deutsche Grammophon, die Mutter der Polydor, ihren 100. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums löcherte mich ein Journalist von einem Wirtschaftsmagazin mit Fragen nach der Bedeutung des Namens Polydor, nach dem Gründungsdatum des Labels und ähnlichem. Auf keine der Fragen hatten wir hinreichende Antworten parat. Im Archiv unserer Rechtsabteilung fand ich dann ein kleines Büchlein mit dem Titel „Alte Schallplatten-Marken“, das ein EMI-Justitiar namens Dr. Franz Schoorn geschrieben hatte und in dem immerhin in paar Basisfakten zur Polydor-Historie standen. Dadurch fiel uns erst auf, dass 1999 unser 75-jähriges Jubiläum anstand. Zu diesem Jubiläum haben wir dann für unsere Geschäftspartner eine knallrote Doppel-CD produziert, die als musikalische Zeitreise durch unser Repertoire angelegt war, und zu der ich auch einen kleinen Text schrieb. Dieses Album kam sensationell gut an und führte dann zu der Idee, eine richtige Labelchronik auszuarbeiten. Die Aufgabe wollte ich unbedingt übernehmen, weil ich merkte, dass in diesem Thema unheimlich viel drinsteckte. Und Jörg Hellwig und Michael Kucharski haben mich bei dem Vorhaben dann toll unterstützt.

mw: Wieviel Zeit haben Sie persönlich in das Projekt investiert?

Greve: In Stunden kann ich das nicht wirklich sagen. Ich habe ungefähr anderthalb Jahre recherchiert und dann noch ungefähr ein Dreivierteljahr daran geschrieben.

mw: Was war der spannendste Aspekt an dieser intensiven Arbeit?

Greve: Vielleicht die vielen Zufallsfunde, ob ich nun im Keller auf eine kleine Kiste mit interessantem Material stieß oder ob nun Fritz Bauer, unser Plattenarchivar, wieder eine tolle Preziose irgendwo aus unseren Beständen fischte. Auch die Besuche bei Leuten wie Bill Ramsey oder ehemaligen Polydor-Mitarbeitern, die aus ihren Privatschatullen und Archiven ganz klasse Sachen herausgekramt haben. Sehr beeindruckt haben mich auch einige Originaltelegramme von Marlene Dietrich aus dem Jahr 1965, die in unserer Lizenzabteilung aufbewahrt wurden. Wenn ich auf so was gestoßen bin, habe ich mich immer riesig gefreut.