Musik

Nachgefragt bei Ulrike Altig, Geschäftsführerin Media Control

„Eine Beeinflussung ist bisher nie gelungen“

musikwoche.de: Was hielten die deutschen Plattenfirmen 1977 von der Idee?

Ulrike Altig: Die hielten das für eine gute Idee. Denn so war es zum ersten Mal möglich, eine objektive und verlässliche Hitliste zu erstellen. Davor wurden die Charts über eine zwangsläufig mit Zufälligkeiten behaftete telefonische Befragung erhoben.

mw: Wie kam es zur Charterhebung von Media Control?

Altig: Karlheinz Kögel hatte ein Konzept, das bei den Partnern in der Tonträgerindustrie gut ankam. Es gab aber auch eine Ausschreibung, an der sich andere Marktforschungsinstitute, zum Beispiel Allensbach, beteiligten.

mw: Hat sich das Erhebungsverfahren verändert?

Altig: Anfangs basierte die Erhebung der wöchentlichen Hitlisten auf den reinen Verkaufszahlen des Handels. Später dann hat man zum Verkauf noch die Airplays hinzugenommen. Neuerdings handelt es sich wieder um reine Verkaufsergebnisse.

mw: Gab es in all den Jahren auch einmal den einen oder anderen Versuch zu schummeln?

Altig: Sie erinnern sich bestimmt an das Frühjahr, als die Zeitschrift „Max“ meinte, sie habe den Manager von Jeanette beim Schummeln entdeckt. Dazu konnten wir bereits „Max“ gegenüber feststellen: In den vergangenen drei Jahren haben wir mehrere Fälle registriert, in denen versucht wurde, unser Charterhebungssystem auszuhebeln. Eine Beeinflussung ist bisher aber nie gelungen. Die meisten Versuche fallen dadurch auf, dass unser Computersystem Alarm schlägt. Alle atypischen Meldeverhalten werden ausgeworfen, und dann wird überprüft, ob ein Betrugsversuch vorliegt.

mw: Wenn Sie noch einmal ganz von vorn anfangen könnten: Was würden Sie grundlegend am Konzept der Charterhebung ändern?

Altig: Diese Frage sollten Sie besser dem Bundesverband Phono stellen. Media Control ist bei der Charterhebung nur das neutrale ausführende Organ.