musikwoche.de: Metal wird in der breiten Öffentlichkeit wenig wahrgenommen, verkauft aber offenbar ziemlich gut. Stimmt das? Olly Hahn: Ja, auf jeden Fall. Gerade mit Axel Rudi Pell haben wir einen Chart-Einstieg auf Position 22 hingelegt – der beste, den er je geschafft hat, und er ist ja schon geraume Zeit bei SPV. Rage sind auf Platz 46 in die Charts eingestiegen. Das Metal-Publikum ist eines der treuesten, die es gibt, und man kann sich eigentlich fast blind darauf verlassen, siehe Axel Rudi Pell, Rage, Motörhead oder demnächst Doro – da haben wir sichere Verkäufe.
mw: Inwieweit macht SPV die Brennerproblematik zu schaffen? Hahn: Insgesamt gesehen sehr. Im Metal-Sektor allerdings weniger, weil die Fans dort doch die fertigen CDs, die Digipaks, die Booklets, die LPs haben wollen – diesbezüglich sind sie sehr treu. Sie brennen sich zwar auch Kopien, kaufen aber trotzdem die CD.
mw: Ein Markenzeichen von SPV ist seit vielen Jahren, dass man dort Acts langfristig aufbaut. Hat diese Strategie bei Axel Rudi Pell oder der Melodic-Metal-Band Freedom Call in den letzten Jahren noch gut funktioniert? Hahn: Ohne Zweifel. Wir haben viele ältere Bands, denen ich nicht nahetreten will. Aber sie sind zum Teil schon seit 30 Jahren dabei, und da weiß man manchmal nicht, wie lange sie noch veröffentlichen. Wir versuchen natürlich, neue Bands für das Repertoire aufzubauen. Das machen wir aber nicht mit der Brechstange, denn das funktioniert heute nicht mehr. Sehr wichtig dabei ist der Live-Sektor – eine Band muss einfach live präsent sein.
mw: Welche Rolle spielt Nu Metal für SPV? Hahn: Wir haben Gruppen wie Biohazard oder die Rollins Band, aber auch junge Acts wie Thorn.Eleven und Raging Speedhorn. Aber ansonsten halten wir uns an die alte Weisheit: Schuster, bleib bei deinen Leisten.



