musikwoche.de: Was gab den Ausschlag, den diesjährigen Grand Prix in Südtirol zu veranstalten? Hans R. Beierlein: Südtirol kam als letztes Land zur Gemeinschaft der „Grand Prix der Volksmusik“-Länder und schaffte beim ersten Anlauf den Sieg. Viele Interpreten kommen aus Südtirol. Ehe sich die drei Gründerländer darauf verständigten, dass Interpreten nur für ihr eigenes Land singen dürfen, waren Südtiroler Interpreten Gastteilnehmer für andere Länder, unter anderem auch für Deutschland. Die Kastelruther Spatzen begannen ihre Karriere mit einem Sieg beim Grand Prix der Volksmusik am 17. Juni 1990 für Deutschland. So gesehen war es nicht mehr als recht und billig, Südtirol die Ausrichtung des Grand Prix der Volksmusik 2002 zuzusprechen.
mw: Im Jahr 2001 stellte die Schweiz die Überraschungssiegerin. Wie sehen Sie die Chancen für einen Außenseitersieg in diesem Jahr? Beierlein: Außenseiter sind das Salz in der Suppe jeder Wettbewerbsveranstaltung. Die Erfahrung zeigt, dass auch die allgemeinen Favoriten am Ende nicht unbedingt die Siegestrophäe entgegennehmen können. Ich baue auf Außenseiter und würde mich freuen, wenn sie auch in diesem Jahr zu einer spannungsgeladenen Veranstaltung beitragen könnten.
mw: Wird Deutschland im Gemeinschaftskonzept des Grand Prix nicht als allzu übermächtig empfunden? Beierlein: Das ZDF bringt als größte Anstalt auch den größten Beitrag zur Finanzierung der Veranstaltung ein. Dass Deutschland daraus nicht eine übermächtige Stellung ableitet, geht allein schon aus der Tatsache hervor, dass alle Länder mit der gleichen Anzahl von Teilnehmern, nämlich vier, beteiligt sind. Deutschland mit 82 Millionen Einwohnern stellt genauso viele Teilnehmer wie Südtirol mit 300.000 deutschsprachigen Bewohnern.
mw: Hat sich das Publikum der volkstümlichen Musik in den vergangenen Jahren verändert? Beierlein: Das Publikum hat sich mit der Volksmusik verändert und die Volksmusik mit dem Publikum; es gab also einen organischen Ausgleich. Die Volksmusik hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert, und zwar sowohl was die musikalische Aufbereitung anbelangt als auch die Thematik. Dieser Prozess muss fortgesetzt werden. Der Grand Prix soll der Motor für diese Entwicklung sein.
mw: Könnten Sie sich eine Volksmusik-Show auf Viva vorstellen? Beierlein: Ich kann mir im Prinzip alles vorstellen, auch eine Volksmusik-Sendung auf Viva. Natürlich müsste sich die Dramaturgie dann deutlich unterscheiden von der Dramaturgie unserer konventionellen Volksmusik-Sendungen, und die Moderation müsste natürlich von flippigen, jungen Moderatoren vorgenommen werden. Es gibt solche. Sie werden lachen: Einige aus der Viva-MTV-Ecke haben schon zu erkennen gegeben, dass sie an einer solchen Sendung interessiert wären. Für die PR der Moderatoren wäre es ja gar keine schlechte Idee. Sie würden jedenfalls in den Medien mehr Aufmerksamkeit hervorrufen als mit ihrem täglichen Programm.


