musikwoche.de: Wie schlug sich Sony im abgelaufenen Geschäftsjahr?
Gerald R. Hajos: Wir haben ein Zwischenziel erreicht, haben aber für das neue Geschäftsjahr größere Ziele: Wir wollen unsere Position im Markt weiter verbessern und hinter Universal um den zweiten Rang mitspielen. Im ersten Monat sah das schon ganz gut aus und der Ausblick auf die Releases der nächsten Wochen und Monate stimmt optimistisch. Leider ist das Marktumfeld derzeit alles andere als rosig.
mw: Hat die Umstrukturierung bei Sony Music in Berlin Auswirkungen?
Hajos: Es gibt in jedem Bereich, egal ob Finance, Sales, IT/New Media oder Marketing eine direkte Schnittstelle. Daran ändert sich nicht viel, jeder hat seine Ansprechpartner in Berlin. Die neue deutsche Struktur mit Domestic-, International- und Strategic-Repertoire findet also bei uns auch direkte Umsetzung.
mw: Gibt es interne Veränderungen?
Hajos: Meine Aufgabe ist es, die Company an den Erfordernissen des österreichischen Markts auszurichten. Neben dem noch stärkeren Fokus auf unseren Kernbereich – also dem optimierten, internen Zusammenspiel von A&R, Promotion, Marketing und Vertrieb – wollen wir vor allem auch unsere Kompetenz und unser Engagement im Bereich Online/New Media weiter ausbauen. Dazu haben wir diesen Bereich personell verstärkt und stellen Klaus Kindl, unserem Director E-Media & IT, mit Eva Palischek eine Managerin e-media Marketing & Content zur Seite. Sie bildet die Schnittstelle zwischen dem hausinternen A&R- beziehungsweise Produktmanagement und externen Partnern wie Service-Providern oder Mobilfunk-Firmen.
Darüberhinaus betreut sie auch on- und offline Crossmarketingaktivitäten, Directmarketing und unsere Homepage. Als ihre Nachfolgerin in der Promotion für Columbia steigt die bisherige Promotion-Assistentin Susanne Lotteraner auf, deren Posten ab Juli neu besetzt wird. Lotteraner wird sich künftig – wie Susanne Maier bei Epic – auch verstärkt mit der Betreuung unserer lokalen Künstler und Projekte befassen.
mw: Wie sieht es mit nationalen Produkten aus?
Hajos: Wir wollen den lokalen Bereich noch weiter verstärken. Neben dem Projekt Sugarfree gibt es mit der Gruppe Seer ein weiteres, neues Schwerpunkt-Signing. Wir glauben, dass diese Band ein großes Potenzial hat und eine wertvolle Ergänzung zu unserem Artistroster ist. Am 3. Juni erscheint ihr neues Album, „Junischnee“, mit gleichnamiger Single, die jetzt bereits massiv in den heimischen Radios durchstartet. Wir haben einen geballten Promotion- und Marketingplan und zielen ganz klar auf Gold. Desweiteren gilt es, einerseits die Künstler unseres Rosters weiter voranzubringen und auf der anderen Seite wachen Auges und Ohres neue, vielversprechende Talente zu finden. Dabei werden wir uns künftig vermehrt um traditionell Österreichisches bemühen.
mw: Ihre Bilanz nach zwei Jahren als Geschäftsführer?
Hajos: Es bleibt heute nicht viel Zeit, innezuhalten und Bilanz zu ziehen. Das Geschäft wird immer schneller und schwieriger, vor allem durch die globalen Bedingungen, aber auch durch die in Österreich hausgemachten Probleme, zum Beispiel auf Handelsseite. Wir wollen versuchen, sowohl weiterhin im traditionellen Geschäft stark mitzumischen, als auch bei Innovationen wie B2B und B2C am Puls der Zeit und vor unseren Mitbewerbern zu sein



