musikwoche.de: Hat der runde Geburtstag für Sie eine besondere Bedeutung?
Fredrik Vahle: Ja. Ich denke, dass 60 die Schwelle zum Alter ist. Das heißt für mich, meine Tätigkeit zu intensivieren und etwas bedächtiger und konzentrierter als vorher auszuführen – und auch weiterhin ein Kundschafter zu sein für das, was zwischen Kindern und gerade auch den älteren Generationen möglich ist.
mw: Welche Gefühle oder Erinnerungen wurden bei der Titelauswahl für „Guck der kleine König kommt“ wach?
Vahle: Erstaunen und Freude darüber, dass es doch einen roten Faden in meiner Arbeit gibt, obwohl ich seit meinen Anfängen mit der „Rübe“ über „Anne Kaffeekanne“ und „Hupp Tsching Pau“ schon sehr verschiedene Sachen gemacht habe.
mw: Vor 30 Jahren arbeiteten Sie an dem Album „Die Rübe“ – was hat sich seitdem in Ihrer musikalischen Arbeit verändert?
Vahle: Die Lieder werden weniger im Vortragstil präsentiert; politische Themen werden weniger direkt angesprochen. Aber das dialogische Singen für Kinder ist intensiver geworden, und gerade dadurch sind die Veranstaltungen so etwas wie Arbeit an basisdemokratischen Ansätzen in der Kinderkultur – weil es eben um die Erwachsenenkultur nicht so gut bestellt ist.
mw: Was halten Sie von den Tonträgern von Rolf Zuckowski und Detlev Jöcker? Die beiden erreichen mit ihren Produkten unter allen Kinderliedermachern die höchsten Absatzzahlen.
Vahle: Sie erreichen ein großes Publikum und sind beide sehr engagierte Kollegen. Aber es ist, glaube ich, notwendig, nicht nur auf die Breitenwirkung zu achten, sondern auf die Vielfalt von musikalischen Impulsen und Themen, und sich um die literarische und psychische Intensität von Kinderkultur zu kümmern. Oft werden in der Massenkultur für Kinder bestimmte Themen gar nicht angesprochen, und differenziertere musikalische Erlebniswelten, die für Kinder wichtig sind, kommen nicht zum Tragen.
mw: Wann gehen Sie wieder auf Tournee?
Vahle: Ich bin bis auf wenige Monate das ganze Jahr über auf Tournee.
mw: Wie haben Sie Ihren 60. Geburtstag verbracht?
Vahle: Es gab mehrere Geburtstagskonzerte und ein großes Fest im Dorf mit den Freunden und Kollegen.
zur person Als erster Kinderliedermacher der Bundesrepublik Deutschland wurde Fredrik Vahle im Jahr 2000 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1973 erschien sein erstes Album, „Die Rübe“, bis heute kamen insgesamt 24 weitere Tonträger dazu. Der Germanist, Liedermacher und Poet promovierte 1976 über „Sprache und soziales Umfeld“, 1988 schrieb er seine Habilitation zum Thema „Kinderlied – Erkundungen zu einer frühen Form der Poesie im Menschenleben“. Seit 1994 ist er Professor für deutsche Sprache und ihre Didaktik an der Justus-Liebig-Universität Gießen.


