Musik

Nachgefragt bei Franz Selb, Geschäftsführer Koch Universal

„Marktführerschaft ist erreichbar“

musikwoche.de: Welchen Stellenwert hat das Schlagersegment innerhalb von Koch Universal? Wie liegt der Umsatzanteil im Vergleich zum Volksmusiksektor?

Franz Selb: Der Volksmusiksektor ist zur Zeit immer noch leicht führend, wobei das Schlagersegment durch die Integration von Koch in Universal sicher gewinnt und es so in naher Zukunft zu einem ausgeglicheneren Verhältnis zwischen Volksmusik und Schlager kommen wird.

mw: Was waren die erfolgreichsten Schlagerproduktionen von Koch in letzter Zeit?

Selb: Mit Helmut aus Mallorca (feat. Jojo’s) und der Single „Ohne Holland fahr’n wir zur WM“, dem Nockalm Quintett, das sich mittlerweile musikalisch von der volkstümlichen Musik zum Schlager gewandelt hat, sowie Bernhard Brink mit seinem Album „Jetzt erst recht!“ hatten und haben wir in den letzten Monaten gleich drei Charts-Stürmer aus dem Schlagersegment zu vermelden. Helmut aus Mallorca (feat Jojo’s) war sogar ganze 15 Wochen in den Singles-Charts vertreten.

mw: Was hat sich durch die Integration von Koch in Universal speziell im Schlagerbereich geändert? Gab es Künstler, die von Polydor zu Koch Universal wechselten? Stehen jetzt zum Teil höhere Marketing-Budgets zur Verfügung?

Selb: Koch Universal hat von der Polydor über Jahre erfolgreiche Schlager-und Crossover-Künstler wie Claudia Jung, Jürgen Drews, Karel Gott, Wencke Myhre, German Tenors und andere übernommen. Die Marketing Budgets werden sich nicht ändern. Marketing Budgets sind nicht über einen Kamm zu scheren. Die Vision, über prall gefüllte Marketingwundertüten Künstler durchzusetzen, ist nicht mehr zeitgemäß. Man muss sich heute sehr genau überlegen, wo, wie und wann die Marketinggelder eingesetzt werden.

mw: Wie schätzen Sie den Marktanteil von Koch Universal im Schlagerbereich in Deutschland ein? Welche Steigerungsmöglichkeiten sehen Sie mit den neuen Strukturen unter dem Dach von Universal?

Selb: Durch die Übernahme von den schon genannten Schlagerstars, die vorher von der Polydor betreut wurden, gewinnen wir natürlich wichtigen Boden im Schlagermarkt und arbeiten auch auf eine Marktführerschaft in diesem Segment hin. Die Universal bietet uns die Möglichkeiten, in absehbarer Zeit dieses Ziel zu erreichen.

mw: Was sind für ihre Produktionen die wichtigsten Marketing-Tools im Schlagerbereich? Sind Fernsehsendungen nach dem Ende der „ZDF-Hitparade“ jetzt weniger wichtig oder gibt es mittlerweile ähnlich bedeutende Schlagerformate?

Selb: Wichtig ist es, in einem engen Zusammenklang mit den klassischen Promotionwegen – also TV, Funk und Presse – einen zielgruppenorientierten Marketingmix aus Printkampagne, TV- und Funkwerbung zu stricken. Wobei auch das Direktmarketing, das heißt zum Beispiel Mailings an Endkonsumenten und POS-Kampagnen (etwa Promo-Touren der Künstler zu wichtigen Einkaufszentren, Dekodurchgänge) eine wichtige Rolle spielen. Stichwort Handel: Die besten Marketing-Konzepte können jedoch nur dann funktionieren, wenn wir auch weiterhin auf einen wichtigen Partner zählen können: den Handel. Die Neuheiten, die wir veröffentlichen, bewerben, promoten, etc. werden dann vom Handel in den Regalen platziert. Diese über Jahre erfolgreiche Partnerschaft wollen wir auch für die Zukunft erhalten. TV-Sendungen sind nach wie vor überaus wichtig.

Einerseits sind sie die Chance für Nachwuchskünstler, sich einem Publikum zu präsentieren, das sie in der Zahl anders nicht erreichen könnten. Auch für etablierte Künstler ist es überaus wichtig, mit dem richtigen Lied in der richtigen Sendung zu sein. Dass es in den öffentlich-rechtlichen Sendern im Bereich U-Musik (Schlager, Volksmusik, Crossover) mehr Sendungen gibt als in anderen Bereichen, hängt ganz klar damit zusammen, dass das Zielpublikum das so will. Das beweisen die hohen Einschaltquoten. Natürlich fehlt uns die „ZDF-Hitparade“, gerade weil diese Sendung regelmäßig aktuelles Produkt vorgestellt hat. Wir hoffen sehr, dass in absehbarer Zeit ein adäquater Ersatz geschaffen wird. Alternative Sendungen sind zur Zeit „Fest der Volksmusik“ (ARD), „Musik zum Glück“ (ARD), „Das deutsche Schlagermagazin“(MDR) (mit Bernhard Brink als Moderator), „Melodien für Millionen“ (ZDF) und natürlich bei Top-Stars „Wetten, dass…?“ (ZDF).

mw: Auf welche Künstler setzen Sie besonders für die Zukunft? Wer von den Koch-Künstlern hat das Zeug, auch jüngere Zielgruppen verstärkt anzusprechen?

Selb: Unsere Philosophie setzt von jeher auf Volksmusik und Schlager und das wird auch so bleiben. Wir bekennen uns ausdrücklich zum Schlagersegment. Es ist schwer, einzelne Künstler heraus zu picken. Wir setzen sicher auf gestandene Künstler wie Bernhard Brink, Andy Borg, die Paldauer, Claudia Jung, Ireen Sheer, G.G. Anderson, Jürgen Drews, Michael Morgan, Wencke Myhre, Karel Gott, Helmut aus Mallorca, German Tenors, das Nockalm Quintett, André Stade und andere.

In diese Künstler werden wir natürlich auch in Zukunft unsere Hoffnungen setzen. Speziell für die junge Generation haben wir mit der Gruppe Tagträumer eine junge und hoffnungsvolle Formation unter Vertrag genommen, die unserer Meinung nach das Zeug hat, bei jungen Pop- und Schlagerfans einzuschlagen. Daneben arbeiten wir an hoffnungsvollen jungen Schlagertalenten wie Marina, die langsam aber stetig zum Erfolg geführt werden.