musikwoche.de: Four Music ist es gelungen, Gentleman und Joy Denalane auf breiter Basis zu etablieren. Gibt es eine allgemein gültige Erfolgsformel?
Fitz Braum: In erster Linie ist der Erfolg natürlich auf eine sehr gute A&R-Arbeit zurückzuführen. Ein weiterer Grund liegt darin, dass wir uns von Anfang an darum bemüht haben, Künstler langfristig aufzubauen und nicht bereits nach einer misslungenen Single aufgeben. Das Bemerkenswerte an den beiden genannten Künstlern ist ja, dass in diesen beiden Fällen die Singles-Veröffentlichungen nicht funktioniert haben, trotzdem haben wir von beiden Alben weit über 100.000 Einheiten verkauft. Bei Gentleman stehen wir sogar kurz vor Gold.
mw: Inwieweit spielen bei der Etablierung neuer Künstler die Medien eine tragende Rolle?
Braum: Wir verlassen uns nicht auf bestimmte Medienpartner. Besonders im Radiobereich haben wir bei den beiden Themen sehr wenig Support bekommen. Sehr wichtig sind nach wie vor Tourneen, begleitet von guter Pressearbeit. Diese Kombination funktioniert hervorragend. Man muss nicht unbedingt darauf warten, das man im Radio viel gespielt wird. Viele der Veröffentlichungen sind mit den vorhandenen Formaten in diesem Bereich auch gar nicht mehr kompatibel.
mw: Hat die anhaltende Krise der Musikbranche Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Braum: Eigentlich überhaupt nicht. Wir legen höchsten Wert darauf, dass wir Charaktere unter Vertrag nehmen, die einfach ihr Ding machen. Unser Vorteil ist, dass wir nicht alle vier Wochen ein neues internationales Schwerpunktthema auf den Tisch bekommen. Wenn ich den MajorCompanies einen Rat geben darf, dann den, sich auch kreative Zellen zuzulegen. Es wird allgemein von neuen Künstlern zu viel verlangt. Wenn es einen viel versprechenden Newcomer gibt, muss der dort dann schon nach drei Monaten funktionieren. Das kann in der Regel nicht klappen. Im Mainstream geht das, siehe Superstars, durchaus gut. In anderen Bereichen nicht. Man muss den Fans einfach Zeit geben, jemanden zu entdecken.



