Musik

Nachgefragt bei Dirk Hohmeyer, Veranstalter der „Night Of The Proms“

„Da bin ich wie Berti Vogts“

musikwoche.de: Die „Nokia Night Of The Proms“ brummen – woran liegt’s?

Dirk Hohmeyer: Offensichtlich haben wir es über die Jahre geschafft, großes Vertrauen beim Publikum zu erarbeiten und mit moderaten Preisen hohe Qualität zu liefern. Das führt dann zu solchen Absurditäten, dass knapp 28.000 Leute in Deutschland Eintrittskarten für die diesjährigen Shows kaufen – ohne jegliche Werbung und ohne das Programm zu kennen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 80 Prozent.

mw.de: Wie sieht ihre Ticketpreispolitik nach der Euro-Umstellung aus?

Hohmeyer: Bereits mit 23 Euro ist man dabei. Und für Karten, die früher 95 Mark kosteten, haben wir 50 Euro gemacht, also nur leicht aufgerundet. Da habe ich mich von einigen örtlichen Veranstaltern schon dafür schimpfen lassen müssen. Die sagten: „Du bist zu preiswert im Vergleich zum Markt.“ Die orientieren sich an Madonna, die 240 Mark für eine Show nimmt, und viele glauben, dass damit die Schmerzgrenze immer noch nicht erreicht ist. Ich denke aber, dass sie schon längst erreicht ist. In Deutschland werden, verglichen mit anderen europäischen Ländern, immer noch viel höhere Gagen und Garantien bezahlt als anderswo. Bei dem Ball der Eitelkeiten tanzen natürlich Künstler, Manager oder Agenten gerne mit. Dass aber auch die Mitbewerber diese Preistreiberei mitmachen, ist wieder eine andere Geschichte.

mw.de: Faire Preise können den Erfolg der „Nokia Night Of The Proms“ alleine aber nicht schlüssig erklären. Was gehört noch zum Erfolgsrezept?

Hohmeyer: Das Publikum weiß, was es von uns erwarten darf. Wir garantieren eine verläßliche formatierte Größe – 50 Prozent Pop, 50 Prozent Klassik. Und wir haben eine hohe Dialogqualität mit unserem Publikum – zum Beispiel durch Fragebögen in den kostenlos verteilten Programmheften. Die bekommen wir in großen Mengen beantwortet. Außerdem haben wir ein eifrig genutztes Chatforum – so lernen wir unser Publikum sehr gut kennen, wissen, was ihm gefällt, wo es herkommt, welche Werbevehikel es benutzt. Wir wissen auch, dass unglaubliche 87 Prozent Wiederholungstäter sind. Die kommen wieder – und bringen noch neue Leute mit. Weil sie eben wissen, dass es höchst unterhaltsam wird. Deshalb wollen die meisten sicher gehen, dass sie gute Plätze bekommen und buchen häufig bereits ein Jahr im voraus. Dass Leute gleich 20 oder 30 Karten kaufen und einen Bus organisieren, sind mittlerweile keine Einzelfälle mehr. Es wird zunehmend zu einem Happening.

mw.de: Ihre Kundschaft gehört zum großen Teil zu der oft diskutierten Gruppe der „Sleeper“. Ist deshalb auch schon die Tonträger-Industrie auf Sie zugekommen?

Hohmeyer: Der Dialog mit der Tonträgeridustrie ist, bis auf wenige Ausnahmen, höchst ungenügend. Im Gegenteil sogar: Da bekomme ich einen richtig dicken Hals. Die meisten Firmen stehen uns mit blanker Ignoranz gegenüber. Dabei ist diese Tour ein ideales Vehikel um den Backkatalog der auftretenden Künstler anzuschieben – doch viele Labels verlangen Vorleistungen. Bitte, dann eben nicht. Für so manchen Manager aber sind die „Nokia Night Of The Proms“ die am besten geplante Promoreise. Kein Wunder, die Künstler treten vor einem nicht traditionellen Publikum auf und durch die vielen Kooperationen mit Radio, Fernsehen usw. liefern wir grandiose Multiplikationsfaktoren. Dazu zahlen wir fürstliche Gagen für einen relativ kurzen Auftritt.

mw.de: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Hohmeyer: Zum einen muss der Act zur Philosophie der Proms passen. Keiner ist also der absolute Headliner, jeder muss sich eingliedern. Hilfreich sind auch die Fragebögen, letztendlich aber sind es der subjektive Geschmack und objektive Qualitäts-Kriterien. Wir machen beispielsweise alles hunderprozentig live. Wer nur mit Computerstütze arbeiten kann, fällt also von vorneherein aus. Dementsprechend wird das Feld schon überschaubar. Aber man muss auch hartnäckig sein. Roxette, die in diesem Jahr dabei sein werden, habe ich zum Beispiel fünf Jahre lang gejagt. Ich habe sie zu einer Show eingeladen, ihnen Flüge und Hotel angeboten. Trotzdem wollten sie ursprünglich nicht. Auch Meat Loaf hat mir jedes Jahr abgesagt, doch im letzten April hatte ich ihn dann. Ich bin da wie Berti Vogts, gehe immer an die Waden.

mw.de: Mit Laith Al-Deen haben Sie im letzten Jahr auch einen Nachwuchskünstler im Programm gehabt.

Hohmeyer: Da träume ich heute noch davon. Nach der ersten Show kamen Meat Loaf und Chris de Burgh angerannt: „Sag mal, ist der in Deutschland ein Superstar?“ Ich sagte, nein noch nicht. Die waren völlig begeistert. Das ist nur ein Beispiel, was wir für junge Künstler tun können. Doch es kommen kaum mehr deutsche Acts in Betracht. Entweder haben sie es qualitativ nicht drauf oder sie sind einfach völlig ignorant. Da habe ich bei einigen Managements drei Mal vergeblich angerufen, doch da wirst du nicht mal zurück gerufen.

mw.de: Wieviele Shows sind in diesem Jahr in Deutschland geplant?

Hohmeyer: Wir sind mit 49 Shows im Vorverkauf. Wobei es ein natürliches Ende der Tour gibt – Weihnachten. Maximal werden es 52 Termine.

mw.de: Die Winter-Veranstaltungen bieten ein relativ kleines Zeitfenster. Gibt es Überlegungen, eine zusätzliche Tour auf die Beine zu stellen?

Hohmeyer: Die gibt es tatsächlich. Wir denken an eine weitere Tour im Mai oder Juni. Wobei wir dabei die Kernstädte, die wir im Herbst machen, dabei weiträumig umschiffen werden. Daneben werden wir weitere Länder angehen wie Skandinavien und England und sind kurz davor unsere französische Firma zu starten. Daneben reden wir in USA über ein Franchising-Modell. Das sind die Zukunftsmärkte.

mw.de: Inwieweit ist Nokia involviert?

Hohmeyer: Nokia ist nur in Deutschland Headsponsor. Wir haben 1996 den Vertrag gemacht, und der läuft noch ein paar Jahre. Es paßt ja auch: „Connecting People“ – das ist genau das Thema der Show.