musikwoche.de: Wie weit kümmern Sie sich selbst um Ihre geschäftlichen Belange?
Carlos Santana: Glücklicherweise macht das meine Frau, denn ich verstehe nur Bahnhof, wenn Rechtsanwälte mir etwas über Tantiemen und solche Dinge erzählen. Meine Frau ist meine Alliierte. Ich konzentriere mich auf die neue Note und nicht auf die Banknote.
mw: Aber es gibt viele Musiker, die sich um ihre Finanzen kümmern, wie zum Beispiel Mick Jagger…
Santana: Ich sage jetzt nichts gegen meinen Bruder Mick Jagger. Er versteht das Geschäft auf jeden Fall besser als ich. Aber in musikalischer Hinsicht ist er doch nicht mehr so relevant. Ich will ihn auf keinen Fall schlecht machen. Ich beurteile nicht, ich beobachte nur. Natürlich ist es nicht schlecht, wenn Musiker auf ihre Geschäfte achten. Aber konzentriere dich nicht zu sehr darauf, weil du dann deine Leidenschaft verlierst. Letztlich geht es um Töne, nicht um Zahlen.
mw: Seit einiger Zeit hat die Musikindustrie Probleme. Wie sehen Sie die gegenwärtige Situation?
Santana: Es gibt viele hausgemachte Probleme. Musik ist zu sehr kategorisiert. Das Radioformat zum Beispiel ist ein sehr enges Format, besonders in Amerika. Dort umspannt es im Prinzip die Altersgruppe von 17 bis 27 Jahren. MTV ist nicht wirklich MTV: Es sollte Music Television sein. Aber sie spielen nur eine bestimmte Art von Musik – jedenfalls keine von Placido Domingo. Man muss Musik nicht in Kategorien fassen – ob es afrikanische Musik, Polka, brasilianische oder klassische Musik ist. Bob Marley ist klassische Musik. Er ist als Musiker genauso klassisch wie Beethoven. Wir müssen Kategorisierungen überwinden.
mw: Was denken Sie über neue Formate wie die DVD?
Santana: Ich bin für alles Neue aufgeschlossen. Die Mittel und die Heransgehensweise mögen neu sein, das Ziel ist das Gleiche. Für mich ist das Ziel, die Herzen der Menschen zu berühren. Meine Intention ist es, Klänge und Farben – wie die Nadeln bei einer Akupunktur – zu verwenden, um die Menschen auf diesem Planeten zu erreichen. Für mich ist die Verwendung von Klängen und Farben eine wirksame Medizin.



