Musik

Nachdenken über die eigene Vergangenheit

Eigentlich wollte er nie Solokünstler werden. Doch weil seine Band eine Pause einlegte, entschloss sich James Dean Bradfield ein Album aufzunehmen.

“Ich hatte wirklich keinerlei ernsthafte Pläne, ein Soloalbum einzuspielen“, erklärt James Dean Bradfield. Der Grund, warum er es dennoch getan habe, liege in erster Linie darin, dass die Manic Street Preachers beschlossen hätten, für zwei Jahre kein Album zu veröffentlichen. „Und ich merkte recht schnell, wie sehr mir Musik in meinem Leben abgeht. Ich bekam regelrecht schlechte Laune.“

Nach einer kurzen Bedenkzeit stürzte sich Bradfield in die Arbeit und schrieb innerhalb weniger Wochen die elf Songs für sein erstes Soloalbum, „The Great Western„. Dabei lag ihm nichts ferner, als eine Kopie seiner bisherigen Arbeit abzuliefern. „Die Herausforderung bestand schon darin, dass ich erstmals auch die Texte zu den Stücken schreiben musste. Bei den Manic Street Preachers war ich bis jetzt vor allem für die Musik verantwortlich.“

Ideenreiche Zugfahrt

Doch auch diese Herausforderung meisterte Bradfield nach kleinen Anfangsschwierigkeiten perfekt. „Um Ruhe zu finden, hielt ich mich sehr oft in Wales auf. Und die meisten Texte schrieb ich tatsächlich auf den Zugfahrten zwischen London und Cardiff. Ich habe sehr viel über meine Vergangenheit und die vielen Zufälle in meiner Karriere nachgedacht, und so entstand nach und nach ein Song nach dem anderen.“

James Dean Bradfield bezeichnet diese immens kreative Phase selbst als „glücklichen Unfall“. In vielen Stücken beschäftigt er sich ausgiebig mit jenen Menschen, die ihn bei seiner erfolgreichen Emanzipation von seiner walisischen Heimat unterstützt haben.

Malerische Verbundenheit

Im Titel „An English Gentleman“ setzt er zum Beispiel seinem 1993 verstorbenen Freund, dem Verleger und Mentor Philip Hall, ein beeindruckendes Denkmal. Aber auch die Verbundenheit mit Wales spielt auf „The Great Western“ eine Rolle. So ist der letzte Song der Platte, „Which Way To Kyffin“, eine Hommage an den berühmten Landschaftsmaler Kyffin Williams.

„Versteht mich nicht falsch“, sagt er. „Ich liebe London und verdanke der Stadt eine Menge, aber die Menschen in Wales sind auf eine sehr eigenwillige Art mit ihrer Heimat verbunden.“ Diese Verbundenheit fange Kyffin Williams in seinen Bildern am besten ein: „Und das wollte ich mit dem Song ausdrücken. Wenn du ein Bild von ihm siehst, möchtest du spontan am liebsten in den Rahmen klettern und im Bild leben.“