Musik

musikwoche.de und VMCP präsentierten Popkomm.-Clip-Panel

Auf einem äußerst gut besuchten Panel diskutierten Platten- und Clip-Produktionsfirmen sowie Musiksender über die Zukunft des Musikvideos. Denn vor allem die Clipfirmen drohen, das erste Opfer der veränderten Marktlage zu werden.

Die wirtschaftliche Lage der Clip-Produktionsfirmen stellt sich für den Vorsitzenden des Verbands der MusikClip Produzenten (VMCP), Markus Peichl, bedrohlich dar. Von den laut VMCP 23 in Deutschland arbeitenden Firmen, von denen wiederum 18 im VMCP organisiert sind, verschwanden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres sieben Unternehmen, vier meldeten Insolvenz an und drei gaben die Produktion von Musikvideos aus Rentabilitätsgründen auf. An dem von musikwoche.de und dem VMCP präsentierten Panel am Popkomm.-Freitag stellte sich die Musikindustrie den Vorwürfen, mit sinkenden Budgets an der Misere der Clip-Firmen schuldig zu sein.

Tom Bohne, Managing Director Polydor, erklärte: „Ohne Videos wäre die Lage der Musikindustrie nicht ganz so spannend, aber auch nicht so kostenintensiv.“ Bernd Dopp, President Warner Music Germany, ergänzte: „Die gesamtwirtschaftliche Situation der Musikindustrie betrifft nicht nur die Clipfirmen, sondern alle unsere Dienstleister. Gleichzeitig generieren Mobiltelefone oder DVD als weitere Verwertungsmöglichkeiten für Videos Hoffnung. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Plattenfirmen an den Budgets sparen müssen. Wir bei Warner sind Verfechter der Linie ‚weniger ist mehr‘. Das heißt, dass wir weniger und gezielter veröffentlichen, also müssen wir die Budgets bei den einzelnen Produktionen nicht zurückfahren.“ Darauf erwiderte Peichl, dass „Clips für 70.000 Euro nicht die Regel sind. Man kann nicht immer 100 Kilometer fahren wollen, wenn man nur Benzin für 70 Kilometer hat. Genau das aber ist der Glaube bei der Musikindustrie, die für weniger Geld mehr Leistung erwartet.“

Der als Lösung vorgeschlagenen erhöhten Kreativität steht Torben Ferkau, Geschäftsführer erste liebe filmproduktion, skeptisch gegenüber: „Wir freuen uns extrem, wenn Kreativität gefragt ist, aber ein bestimmter Anspruch an einen Clip kostet einfach viel Geld.“ Der MTV– Programmchef Elmar Giglinger kritisierte indes, dass viel zu wenig Clips jenseits der Genre-Klischees produziert würden. Stefan Kauertz, Programmdirektor Viva, warf in die Runde, dass auch „millionenschwere US-Clips tödlich langweilig“ sein können und verlangte nach besseren Ideen. Darauf erwiderte Silke Super, die als freier Comissionner für wea arbeitet: „Wenn wir gerade bei Newcomer-Themen ein großes Budget hätten, fände sich immer eine witzige Idee.“ Bilaterale Gespräche zwischen den Produktions- und Plattenfirmen sollen, so das Fazit des Panels, zu neuen Lösungsvorschlägen führen.

Mehr zum Thema