Auf der Popkomm. rief die deutsche Musikwirtschaft die öffentlich-rechtlichen Radios dazu auf, eine 50:50-Quote einzuführen. In der anschließenden öffentlichen Diskussion wurde oft von einer Quotierung für ausschließlich deutschsprachiges Repertoire gesprochen. In der Tat handelt es sich bei der Forderung „nicht um einen deutschen Protektionismus“, wie Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin anmerkte, sondern um den Versuch von Förderung neuer Musik. Kern der Initiative ist: 50 Prozent der gespielten Musiktitel sollen Neuheiten sein, davon wiederum 50 Prozent deutschsprachige Titel. Als Neuheiten definieren die Verbände jene VÖs, die nicht älter als drei Monate sind, und Interpreten, die bisher maximal zwei Alben veröffentlicht haben, wobei keines mehr als 150.000 Einheiten verkauft haben darf (Gold-Status).
Bernd Dopp, President Warner Music, brachte es auf den Punkt: „Im Radio werden zu wenige Neuheiten gespielt. Die 50:50-Quote kann für mehr innovative Musik sorgen.“ Ins gleiche Horn blies EMI-Chef Udo Lange: „Mehr Neuheiten sind angesagt. Das wollen auch die Hörer.“ Genauso sahen das im April die Leser von musikwoche.de: Bei einer Umfrage sprachen sich 80 Prozent für eine Newcomer-Quote aus. Ergo: Das neue, oft ungehörte Repertoire ist vorhanden und wartet auf Abspielmöglichkeiten. Bei den Labels sitzen zudem – entgegen dem Urteil böser Zungen – genug „Besessene“, die auf Chancen hoffen, musikalischen Entdeckungen zum Durchbruch zu verhelfen. Dass Newcomer trotzdem den Weg in die Charts schaffen, ist eine erfreuliche Ausnahme. So konnten Acts wie Joy Denalane, Coldplay, Ben, Ashanti, Vanessa Carlton und 2raumwohnung für einige positive Akzente in der Nachwuchslandschaft sorgen. Noch mehr formidable Künstler warten auf ihre Feuertaufe an den Kassen. Einen Teil davon finden Sie in diesem Special.


