Die Musik- und HipHop-Szene in Deutschland diskutiert seit zwei Wochen erregt über den Vorschlag von Monika Griefahn, der Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur und Medien, die Ausstrahlung jugendgefährdender Musikvideos zu verbieten. Doch wie immer bei solchen Debatten kommt es ganz auf den Standpunkt des Betrachters an, wo man die Grenze zieht, bei der die Freiheit der Kunst enden soll. Griefahn forderte in einem Interview mit dem Magazin „Focus“ jedenfalls die Musiksender MTV und Viva unmissverständlich auf, ihrer Kontrollpflicht besser nachzukommen. Andernfalls werde sie sich über die Rundfunkräte für ein Sendeverbot für bestimmte HipHop-Clips einsetzen. Dies ist eine bemerkenswerte Drohung, denn offiziell kann ein Video erst dann vom Sendebetrieb ausgeschlossen werden, wenn die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Clip geprüft und auf den Index gesetzt hat. Alles andere liefe auf Zensur hinaus. Und Debatte um Gewaltpotenzial im deutschen HipHop schlägt hohe Wellen HipHop in der Zwickmühle München/Berlin – Frankreich und die USA haben diese Diskussion bereits hinter sich, aber in Deutschland ist die Debatte um das Gewaltpotenzial von HipHop gerade richtig aufgeflammt. Nicht zuletzt wegen des großen kommerziellen Erfolgs von Rappern wie Sido, Fler oder Bushido, die in ihren Texten eine ganz eigene Sicht auf die bundesrepublikanische Realität liefern. 3 Im Konflikt mit dem Gesetz: die Indizierungsbekanntmachungen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für die Compilations „Aggro Ansage Nr. 2“ und „Aggro Ansage Nr. 3“ 25/2005 25/2005 9 10 25/2005 dossier.hiphop dagegen haben nicht nur die betroffenen Künstler und Labels etwas. Die Steilvorlage aus der Politik nutzte die Berliner Hip- Hop-Kaderschmiede Aggro Berlin in der vorletzten Woche jedenfalls prompt für eine ausführliche Stellungnahme. Unter dem vielsagenden Titel „Die Geister, die Sie riefen!“ lassen die Labelmacher ordentlich Dampf ab und sparen nicht mit Kritik an den ihrer Meinung nach völlig aus der Luft gegriffenen Vorwürfen. „Kaum ist wieder Wahlkampfsaison, suchen Politiker Themen, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, und versuchen sich mit markigen Äußerungen in Szene zu setzen. Es wird ein Verbot von,gewaltverherrlichenden und rechtsradikalen Rap-Videos‘ gefordert.“ Das Label verwahrt sich in seiner Stellungnahme mit aller Entschiedenheit gegen Unterstellungen, „dass bei uns erschienene Musik und dazu gehörige Musikvideos in oben genannte Schubladen passen würden. Keiner unserer Künstler oder Mitarbeiter ist rechtsradikal. Dieser Vorwurf ist absurd und entbehrt jeder Grundlage“. Zwei Welten treffen aufeinander Der Konflikt hat sich in den vergangenen Monaten bereits überdeutlich angekündigt: Mit dem kommerziellen Erstarken des neuen, der rauen Wirklichkeit verpflichteten Berliner HipHop – Rapper wie Sido oder Bushido verkaufen heute mehr Alben als viele hochgelobte Popstars – haben sowohl das etablierte Kulturfeuilleton wie auch die Politik größte Probleme, weil die üblichen und über die Jahre erprobten Mechanismen nicht mehr greifen. Gerade in Berlin treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten – keine besonders gute Voraussetzung, um eine Verständigung zu erreichen, vor allem auch deshalb, weil viele Künstler gar nicht daran denken, sich dem Diktat der Politik zu beugen. In ihren Stellungnahmen (siehe unten und nebenstehende Seite) schließen sowohl Aggro Berlin als auch Bushido, stellvertretend für sein Label Ersguterjunge, jeden Kompromiss aus. Die neu ge- Specter, Aggro Berlin: „HipHop ist eine ganz reaktionäre Sache“ Berlin (ns) – Das Label Aggro Berlin, das Künstler wie Sido und Fler betreut, sieht sich derzeit von vielen Seiten heftigen Angriffen ausgesetzt. Labelgründer Specter nimmt in MusikWoche Stellung zu den Vorwürfen. MusikWoche: In den letzten Wochen haben einige Politiker ein Verbot von jugendgefährdenden Videos gefordert und dabei explizit auf verschiedene Produktionen Ihres Labels verwiesen. Aggro Berlin setzte sich daraufhin mit einer Pressemitteilung gegen die Vorwürfe zur Wehr. Inwieweit beeinflusst diese Diskussion im Moment Ihre Arbeit? Specter: Es ist ja nicht so, wie viele denken, dass hinter allem, was wir tun, eine ausgefuchste Geschäftstaktik steckt. Das würde dem Ganzen überhaupt nicht gerecht werden. Dafür fließen viel zu viel Vorsicht und Angst mit ins Geschäft. Wir haben keine Lust auf Ärger, aber wir haben Lust auf Relevanz. Ernster als jetzt kann man Rapmusik eigentlich nicht mehr nehmen, und das ist ja genau das, was in Deutschland bisher immer gefehlt hat. Wenn eine Subkultur im Lauf der Jahre ihre Relevanz nicht einbüßt und auf eine große Masse trifft, dann hat das fast immer, siehe Frankreich oder auch die USA, politische Folgen. MW: Muss es dann immer gleich Ärger geben? Specter: Alles, was im HipHop-Kontext stattfindet, wird in der Musik auch thematisiert. Gerade diese Musik macht aber viele Missstände wieder zu einem Thema, die sonst gar nicht angesprochen werden. Gewisse Missverständnisse bleiben da natürlich nicht aus, vor allem wenn sich Politiker damit beschäftigen, denen da plötzlich völlig unverständliche Dinge per TV ins Haus flattern. Die Politik würde doch das Thema am liebsten schnell abhandeln und dann ungelöst zur Seite legen und verdrängen. Das ist aber mit HipHop in dieser Form nicht möglich, deshalb zielt das alles auch auf eine direkte Konfrontation ab. Und das ist doch sehr schön. Ich werde mich auch nicht zurückhalten und meinen Standpunkt deutlich machen, dass jeder, der unsere Kunst verbieten will, nur noch einen Zentimeter vom Faschismus entfernt ist. Passt doch auf, was ihr gerade macht. MW: Wissen Sie, was Sie machen? Specter: Wir wollten immer ernst genommen werden. Es hieß doch bisher, wir sind blöd, wir sind unartikuliert. Die Wahrheit schaut anders aus. Keiner kann heute noch sagen, unsere Musik ist Blödsinn, denn unsere Musik ist Thema im Bundestag. Diese Relevanz ist extrem wichtig für diese Musik. HipHop ist keine Huldigung an die Kunst, sondern eine ganz reaktionäre Sache. HipHop steht für: Hilf dir selbst und mach aus nichts irgendetwas. Viele Dinge spielen da mit, und HipHop bekommt jetzt endlich einmal die Aufmerksamkeit, die er verdient hat. MW: Trotzdem ist es doch so, dass Sie als Label und Ihre Künstler, auch wenn Sie kein geschlossenes Konzept verfolgen, genau wissen, dass Sie mit Ihren Platten gewisse Reaktionen auslösen. Sie wollen es ja nicht jedem recht machen, oder? Specter: Das einzige Konzept, das wir verfolgen ist, HipHop-Musik so zu machen, wie sie uns gefällt, und so gut wir es können. HipHop und Marketing sind untrennbar miteinander verbunden. Wir machen nur, was wir gerne machen, und wir machen das gut. Mit einem Satz wie „Seit dem 1. Mai wird zurückgeschossen“ wollten wir den Finger in die Wunde des schlechten Gewissens der Deutschen legen. So ein Satz hat nicht die Tragweite, die viele Leute darin sehen, die uns vorwerfen, dass wir mit gefährlichen Inhalten spielen. Die Einschätzung hängt natürlich immer vom eigenen Standpunkt ab. Es ist viel gefährlicher, mit einem solchen Thema so umzugehen, wie die Öffentlichkeit in Deutschland es tut. Dieser Verdrängungsmechanismus, der hier greift, führt doch auch dazu, dass bei vielen die Synapsen zusammenbrechen, wenn jemand erklärt, er ist stolz, ein Deutscher zu sein. Umstritten und via Aggro Berlin erfolgreich: der Berliner Rapper Fler www.@ .aggroberlin.de 25/2005 11 hiphop.dossier wonnene Relevanz will man offensichtlich mit allen Mitteln verteidigen. Kein Wunder also, dass bei Aggro Berlin auch gleich die deutsche Vergangenheit bemüht wird, um das im Grundgesetz verankerte Recht auf Meinungsfreiheit zu verteidigen: „Den sich erregenden Politikern und Medien sollte bewusst sein, dass Bemühungen, der Kunst Vorschriften zu machen, sie zu instrumentalisieren oder gar zu verbieten, immer der erste Schritt in Richtung Diktatur und Faschismus sind.“ Ganz so hoch muss man die Debatte nicht unbedingt aufhängen, aber über den Zusammenhang zwischen der Kunstform HipHop und der gesellschaftlichen Realität darf trotzdem in aller gebotenen Schärfe diskutiert werden. Dabei ist es relativ unerheblich, welchen Standpunkt man selbst in dieser Diskussion einnimmt, ob man die Texte der Berliner „Skandal“-Rapper geschmacklos oder besonders intelligent findet. Jeder, der schon einmal einen Spaziergang durch einen der Berliner Problembezirke unternommen hat, wird wissen, wie dominant sich die HipHop-Kultur dort Ausdruck verschafft. Insgesamt wäre es für alle Beteiligten ein Segen, wenn sie etwas reflektierter an die Sache herangingen, denn selbst ein Künstler wie Bushido verteufelt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Texte nicht per se. Und dass MTViva, wie Monika Griefahn behauptet, ihrer Pflicht zur Prüfung der eingereichten Videos bisher nicht nachgekommen sind, lässt sich recht schnell widerlegen. Plädoyer für mehr Sachlichkeit Neffi Temur, Director HipHop/Soul bei der Universal Music Domestic Division und unter anderem zuständig für das Label Ersguterjunge des Berliner Rappers Bushido, erklärt gegenüber MusikWoche, dass sowohl MTV als auch Viva in der Regel vor einer Ausstrahlung Videos entschärfen, wenn die Inhalte gegen bestimmte Regeln verstoßen. „Grundsätzlich halten wir nichts davon, einen Künstler an den Pranger zu stellen, nur weil er mit einem Text Anstoß erregt hat.“ Temurs Plädoyer für mehr Sachlichkeit in dieser aufgeheizten Debatte kann man sich nur anschließen. Norbert Schiegl Ersguterjunge: Ein Medium für die HipHop-Kids Berlin – Nicht nur dem Berliner Label Aggro Berlin bläst in der Gewaltdebatte der Gegenwind heftig ins Gesicht. Auch das von Rapper Bushido gegründete Label Ersguterjunge, auf dem neben ihm selbst unter anderem Künstler wie D-Bo und Bass Sultan Hengzt ihre Produktionen veröffentlichen, steht voll im Kreuzfeuer der Kritik. Für Bushido sind die Vorwürfe allerdings kein Grund, von seiner Linie abzuweichen: „Die ganze Sache scheint im Moment etwas aus dem Ruder zu laufen, wobei ich mich echt wundere, warum das gerade jetzt passiert. Früher sind Platten erschienen, die textlich noch ein ganzes Stück krasser waren als die Produktionen, über die jetzt so heftig diskutiert wird, und da hat auch niemand nach einem Verbot gerufen.“ Bushido geht sogar so weit zu behaupten, dass er und Sido sich bei ihren Alben bewusst zurückgenommen und ihre Reime entschärft hätten. Mit dem kommerziellen Erfolg des Berliner HipHop nahmen auch gleichzeitig die Probleme zu. Bushidos im Herbst 2004 über Universal wiederveröffentlichtes Album „King Of Kingz“ ist inzwischen indiziert, allerdings nur wegen drei Songs. Universal plant laut Neffi Temur, Director HipHop/ Soul bei der Universal Music Domestic Division, eine Neuauflage der Platte ohne die beanstandeten Stücke. „Inzwischen vergeht keine Woche mehr“, so Bushido, „in der nicht irgendjemand eine neue Forderung aufstellt. Mir kommt es so vor, als ob sie alles, was von uns kommt, am liebsten komplett verbieten möchten – unsere Texte, unsere Musik und unsere Videos. Ich selbst finde es sehr gut, dass es so etwas wie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gibt. Es muss eine Institution geben, die sagt, bis hierhin und nicht weiter, da ich selber weiß, wie schnell Musiker oft über die Stränge schlagen. Aber durch die Willkür, die viele Leute in Bezug auf HipHop gerade an den Tag legen, verlieren sie auch entsprechend an Autorität.“ Bushido erfuhr erst vor wenigen Tagen, dass auch gegen seine beiden anderen Alben, „Electro Ghetto“ und „Vom Bordstein bis zur Skyline“ ein Indizierungsverfahren läuft. „Ich selbst habe das Gefühl, dass die Sache gelaufen ist, sobald ich den Antrag vorliegen habe. Ich kann mir im Moment gar nicht vorstellen, dass ich da mit einem blauen Auge herauskomme oder dass die Leute sagen, okay, wir können nachvollziehen, warum du deine Musik so machst, wie du sie machst.“ Für Bushido sind die negativen Reaktionen auf seine Musik bereits vorprogrammiert: „Weder Lehrer noch Sozialpädagogen noch Politiker schaffen es heute noch, eine Bindung zur Jugend zu bekommen. Anstatt uns als Medium zu nutzen, weil wir die Kids mit unserer Musik erreichen, wollen sie uns lieber verbieten. Durch die Hexenjagd, die gerade stattfindet, wird die ganze Sache doch noch viel interes- @ www.kingbushido.de Bushido will mit Ersguterjunge an seiner Linie festhalten santer. Je verbotener etwas ist, desto spannender wird es in der Regel.“ Bushido sieht diese Entwicklung aber durchaus kritisch, weil damit praktisch eine ganze Generation von HipHop-Künstlern kriminalisiert wird. „Die meisten Eltern denken doch, wenn diese Rapper schon von Politikern und gewissen Institutionen verboten werden, dann müssen sie ja richtig schlimme Menschen sein. Da ist ein Kreislauf in Bewegung gesetzt worden, aus dem ich keinen Ausweg mehr sehe.“ Trotz aller Probleme will Bushido aber nicht klein beigeben, sondern weitermachen wie bisher. Für den Herbst plant er bereits die nächsten Produktionen auf Ersguterjunge, unter anderem auch ein eigenes neues Album, das voraussichtlich im Oktober erscheinen soll. Norbert Schiegl 12 25/2005 dossier.hiphop „Missy Elliott ist im Moment unser Hauptschwerpunkt“, erklärt Michael Brycz, Senior Marketing Manager Urban. „Zudem konzentrieren wir uns auf Mike Jones, einen HipHop-Shooting- Star aus den USA, der mit seinem Album,Who Is Mike Jones?‘ auf Anhieb Platz drei der US-Charts eroberte.“ Richtig durchstarten will Urban mit dem Rapper aus Houston Ende August. „In den USA hat die Telefonkampagne, bei der man Mike Jones direkt anrufen konnte, für Furore gesorgt. Das versuchen wir auch in Deutschland zu adaptieren.“ Mike Jones ist zudem mit einem Gast-Feature auf dem neuen Album von Missy Eliott, „The Cookbook“, vertreten, das am 4. Juli weltweit erscheint. Fast gleichzeitig mit ihrer neuen Platte bringt die HipHop-Queen unter dem Namen Respect Me auch eine neue Sport-Kollektion heraus. „Hier werden wir sehr eng mit Adidas zusammenarbeiten“, sagt Brycz. „Die genauen Details diskutieren wir noch.“ Der Marketing-Manager ist davon überzeugt, dass diese Zusammenarbeit enorme Synergien freisetzen wird. Zudem soll Missy Elliott im September für Promotionzwecke nach Deutschland kommen, im Idealfall gekoppelt mit einigen Live-Terminen. Doch nicht nur im internationalen Segment hat Warner ein paar heiße Eisen im Feuer. Für September kündigt Michael Brycz ein neues Album der Stuttgarter HipHop-Formation Massive Töne an. „Die Massiven Töne gehören nach wie vor zu den erfolgreichsten deutschen HipHop-Acts. Was wir bisher vom neuen Material gehört haben, hat uns sehr begeistert. Daher bin ich überzeugt, dass wir an ihren bisherigen Erfolge anknüpfen werden.“ Ähnlich hohe Erwartungen stellt Warner auch an die neue Single der Berliner Dancehall- Formation Seeed: „Aufstehen“ wird am 15. August erscheinen. Zudem stehen laut Brycz noch einige spannende Veröffentlichungen im angesagten Reggaeton-Sound an, „von denen wir uns ebenfalls sehr viel versprechen“. Aus dem neuen Vertrag mit Bad Boy Entertainment sollen im Herbst ebenfalls diverse Veröffentlichungen bei Warner Urban in den Handel kommen, unter anderem ein neues Album von Puff Daddy. „Ein weiteres Highlight ist definitiv die neue Single ,Blinded By The Light‘ von The Streets, mit einer Bearbeitung von Sido“, berichtet Brycz. „An dieser besonderen Konstellation haben wir lange gearbeitet. Das gab es in dieser Form noch nicht, denn Sido hat ja keinen Remix im klassischen Sinne abgeliefert, sondern eine deutschsprachige Adaption des Titels.“ Mit dem nächsten Album sollte es Urban dann auch gelingen, The Streets in Deutschland zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen, hofft Brycz. HipHop-Schwergewichte im Sommer Craig David hat den Durchbruch in Deutschland schon längst geschafft. Nach Gold- und Platinauszeichnungen für seine beiden letzten Alben besticht der Superstar aus UK auf seinem neuen Longplayer, „The Story Goes …“ (VÖ: 22. August), erneut durch eingängige R&B-Nummern und seine außergewöhnliche Stimme. Ein echtes Schwergewicht der Hip- Hop-Szene ist Fat Joe. Neben einer Kollaboration mit J-Lo begeistert Michael Brycz vor allem die erste Single-Auskopplung, „Get It Poppin“, bei der kein geringerer als Nelly mitgewirkt hat. „Die Single läuft bereits hervorragend in den Clubs, sie startete viel versprechend im Radio und erscheint am 18. Juli – ich rechne mit einem ganz großen Hit.“ Norbert Schiegl Newcomer und etablierte Namen bei Warner Urban HipHop spielt die erste Geige Hamburg – Das Urban-Department von Warner Music legt den Schwerpunkt seiner Aktivitäten in den nächsten beiden Monaten auf „The Cookbook“, das neue Album von Missy Elliott, auf Fat Joe’s neuen Longplayer „All Or Nothing“ und auf Craig David, der im August mit „The Story Goes …“ an alte Erfolge anknüpfen will. @ www.warnermusic.de Zwei Alben, die den Sound des Sommers 2005 prägen werden: „The Cookbook“ von Missy Elliot und „All Or Nothing“ von Fat Joe 25/2005 13 hiphop.dossier Anzeige HipHop-Klassiker von DJ Tomekk Berlin (ns) – Nach zweijähriger Pause meldet sich DJ Tomekk am 4. Juli auf Virgin mit einer neuen Single zurück. Gemeinsam mit Fler, den Tomekk bereits seit einigen Jahren gut kennt, und G-Hot hat er eine Coverversion des im Jahr 1992 erstmals erschienenen HipHop- Klassikers „Jump Jump“, im Original von Kris Kross eingespielt. Wie immer bei DJ Tomekk wird die VÖ von einem opulenten Video begleitet. „Das Video ist sehr aufwändig inszeniert“, erklärt Heino Deeken, Marketing Director Virgin. „Wir haben dafür deutlich mehr Geld ausgegeben als sonst bei uns üblich.“ Entsprechend hoch sind auch die Erwartungen. Bei Virgin rechnet man mit einem Top-drei-Einstieg in den Singles-Charts. Das dazugehörige Album „Nummaeins“ wird am 19. September erscheinen und ist – so der selbstsichere Künstler – sein bisher bestes. „Früher haben mir zu viele Leute reingequatscht. Jetzt hatte ich die Chance, an meinem besten Werk zu arbeiten – alleine“, so DJ Tomekk. Bis jetzt konnte sich Tomekk vor allem als Singles-Künstler profilieren. Seine beiden bisherigen Alben blieben mit den Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurück. Das soll sich diesmal aber grundlegend ändern, so Heino Deeken: „Unser Ziel ist es natürlich, möglichst viele Alben zu verkaufen. Mit ,Nummaeins‘ dürfte uns das hoffentlich auch gelingen, denn DJ Tomekk hat ein richtiges Hitalbum abgeliefert – mit extrem vielen hochgradigen und bedeutenden Features. Das ist mehr eine Compilation als ein klassisches Album.“ www.@ .virgin.de Für die Charts gedacht: „Jump Jump“ von DJ Tomekk Zwischenstand Vote/Quote München (ns) – MusikWoche fragte: „Deutschsprachiger HipHop macht wieder Negativschlagzeilen. Was steckt dahinter?“ Die Antworten zeigen, wie schwer es auch Branchenexperten fällt, sich eine eindeutige Meinung zu bilden, wenn es um deutschsprachigen HipHop geht. 32,8 Prozent finden, dass HipHop schon immer ein Ventil für gesellschaftliche Missstände war. Eine mit 33, 5 Prozent leicht größere Gruppe ist allerdings der Meinung, dass einige Rapper zu weit gegangen sind. Nichts mit dieser Einschätzung anfangen können bisher exakt 22 Prozent der Leser, die vielmehr glauben, die Politik habe im Wahlkampf einen billigen Sündenbock gefunden; und 11,7 Prozent gönnen auch den HipHop-Labels ein paar Euro. 14 25/2005 dossier.hiphop „Das HipHop-Repertoire von TVT hat bei der Vermarktung in Deutschland einen enorm großen Stellenwert“, erklärt Jörg Hacker, Geschäftsführer TVT Europe, im Gespräch mit MusikWoche. Dies begründet er nicht zuletzt mit den Erfolgen der HipHop-Veröffentlichungen von TVT in Amerika. „Unsere Mutterfirma hat schließlich seit einigen Jahren exakt durch dieses Segment die absolute Führung unter den Indies in den USA eingenommen.“ Rund 70 Prozent der TVT-Veröffentlichungen seien diesem Genre zuzuordnen. Die US-Erfolge will TVT nun verstärkt nach Deutschland transferieren. Club- und Street-Promotion wichtig Dazu steuert das Berliner Büro unter der Leitung von Hacker und Axel Lünebach, dem Marketing- und Promotionmanager, sämtliche Vertriebs-, Promotion- und Marketingaktivitäten. Zudem arbeitet das Label im Bereich der Club- und Streetpromotion eng mit der Hamburger Agentur Sureshot zusammen. „Darüber hinaus wählen wir themenspezifisch immer das optimale Team von Freelancern, um unsere Acts in TV, Funk, Presse und online zu platzieren. Mittlerweile hat sich hier ein Dreamteam etabliert, das die größtmögliche Präsenz unserer Künstler in den Medien garantiert“, erläutert Lünebach. Bei der Vermarktung lege TVT sehr großen Wert auf das so genannte Grassroots- Marketing: Das Label bemustert die HipHop-DJs erst mit US-Vinyl, dann mit den eigenen Pressungen möglichst exklusiver Mixe, hierauf folgen Streetpromotion sowie eine enge Kooperation mit HipHop-Presse und Online-Magazinen. „Innerhalb eines knappen Jahres ist es uns so gelungen, TVT und unsere Künstler glaubwürdig im deutschen und europäischen Markt zu platzieren. Das schafft die Basis, um darauf mit Crossover-Marketing – auch klassisch, aber zunehmend elektronisch – die Charts ins Visier zu nehmen“, sagt Lünebach. „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren sehr stark auf elektronische Vermarktung gesetzt“, ergänzt sein Chef. Dies zeige sich beim aktuellen Schwerpunkt, dem kommenden Album der Ying Yang Twins, bei dem neben einer hohen Rotation bei MTV die Kooperation mit Jamba! sehr wichtig sei. Als deutscher Vertriebspartner fungiert SPV, der mit dem Album der Allstar- Formation 213 bereits einen Titel in den Charts platzierte und sich nun mit „United States Of Atlanta“von den Ying Yang Twins „richtig beweisen“ könne. Crunk-HipHop vor dem Durchbruch In den USA wurden von der CD bereits eine Mio. Einheiten ausgeliefert. Der dazugehörige Stil, Crunk-HipHop, habe in Deutschland hohe Chancen, sich durchzusetzen, urteilt Hacker, da vor allem in Süddeutschland bereits Crunk-Partys stattfinden. Das sieht auch Lünebach: „Die Wahrscheinlichkeit, dass man in den letzten Jahren zu einem Track der Ying Yang Twins getanzt hat, liegt bei knapp 100 Prozent.“ Nach einigen Clubhits und einem Gastfeature bei Lil Jon sei der Grundstein gelegt, das Duo zu breaken. Weiterhin steht ein neues Album der Eastsidaz an, das Debütalbum von Yo Gotti und zwei DVDs des TVT-Superstars Lil Jon. Zudem plant TVT einige Wiederveröffentlichungen, die teilweise in einer Special Edition und als Limited Vinyl erscheinen sollen. Dietmar Schwenger TVT Europe setzt verstärkt auf elektronische Vermarktung Hohe Tanzwahrscheinlichkeit Berlin – Die von Jörg Hacker geleitete europäische TVT-Dependance ist auf dem besten Weg, sich auch in Deutschland als eines der führenden HipHop-Labels auf dem Markt zu behaupten. Dazu sollen kommende Veröffentlichungen etwa der Ying Yang Twins entscheidend beitragen. Haben TVT am deutschen Markt lanciert: Jörg Hacker (l.) und Axel Lünebach Wichtige Künstler für TVT, die nun die deutschen Charts erobern sollen: Ying Yang Twins und Jacki-O
MusikWoche-Dossier: HipHop in der Zwickmühle
Frankreich und die USA haben diese Diskussion bereits hinter sich, aber in Deutschland ist die Debatte um das Gewaltpotenzial von HipHop gerade richtig aufgeflammt. Nicht zuletzt wegen des großen kommerziellen Erfolgs von Rappern wie Sido, Fler oder Bushido, die in ihren Texten eine ganz eigene Sicht auf die bundesrepublikanische Realität liefern.


