Das Symposium schlug thematisch den Bogen von der musikalischen Bildung zur volkswirtschaftlichen Verortung der österreichischen Musikwirtschaft, wobei das anspruchsvolle Programm mit Kurzkonzerten von heimischen jungen Talenten aus E- und U-Musik umrahmt wurde.
Der Vormittag war der Musikpädagogik gewidmet und begann mit einem Vortrag des Musiksoziologen Prof. Ernst Gehmacher über die gesellschaftlichen Wirkungen aktiver und passiver Beschäftigung mit Musik. Seine Thesen zur Suchtwirkung von Musikberieselung wurden allerdings kontrovers aufgenommen, vor allem in der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema musikalische Bildung, an der neben Pädagogen auch eine Vertreterin aus dem Bildungsministerium, eine ORF-Abteilungsleiterin sowie der Komponist Karl-Heinz Essl teilnahmen.
Nach der Pause stellte ein Gast aus Schweden, der Direktor des „Polar Music Prize“, Stuart Ward, die Erfolgsstory Schwedens als Musikland dar. Der langjährige Leiter der Branchenplattform Export Music Sweden zeigte anhand der Zusammenarbeit der Verbände und Firmen der schwedischen Musikindustrie, wie sich auch ein kleiner Markt erfolgreich organisieren kann. Besonders die zitierten Zahlen, wonach Schwedens Musikexporte von 1998 bis 2000 um mehr als 20 Prozent jährlich stiegen, beeindruckten die österreichischen Zuhörer.
Es schloss sich ein Vortrag des Geschäftsführers der österreichischen IFPI, Dr. Franz Medwenitsch, an. Er stellte die GfK-Fessel-Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der österreichischen Musikwirtschaft vor und lenkte so die Aufmerksamkeit auf die wirtschaftliche Realität des Musiklandes Österreich. Danach ist Musik als Wirtschaftsfaktor nicht weniger bedeutend als zum Beispiel die Papier-, die Chemie- oder die KfZ-Zuliefer-Industrie. Und dies gelte in punkto Wertschöpfung ebenso wie in Sachen Beschäftigung. Der Beitrag zum BIP könne sich mit 1,25 Prozent durchaus sehen lassen. Das öffentliche Bewusstsein nehme diese Tatsache aber weniger deutlich zur Kenntnis als beispielsweise den Beitrag der Tourismus-Industrie.
Medwenitsch führte weiter aus, dass der Schwerpunkt der Musikindustrie Österreichs im Distributions-Sektor liege. Der Produktionssektor, obwohl hier alle weiteren wirtschaftlichen Prozesse letztlich initiiert werden, sei viermal kleiner als der Distributionsektor. Bei einem hohen Stellenwert von Musik liege der Schwerpunkt immer noch stark bei der Klassik. Außerdem sei die heimische Pop-Produktion medial unterrepräsentiert.
In der anschließenden Diskussionsrunde, an der neben Medwenitsch auch Paul Walter Fürst von der Verwertungsgesellschaft AKM, EMI-Austria -Chef Erich Krapfenbacher, Thomas Martinek von trend/profil, Alfred Smudits von Mediacult sowie Mario Rossori vom ÖMR als Diskussionsleiter teilnahmen, wurde der Begriff „Musikland Österreich“ als Fakt gewürdigt. Er sei allerdings aufgeladen durch den Mythos, der durch die österreichische Musiktradition, durch die berühmten Orchester, die Festspiele und das Neujahrskonzert bestimmt ist.
Der internationale Poperfolg mit DJ Ötzi, so Krapfenbacher, werde dagegen nicht mit diesem Begriff assoziiert. Dennoch sei es eine Tatsache, dass sein Unternehmen jährlich insgesamt 25 Millionen Schilling (rund 1,8 Millionen Euro) in lokales Repertoire investiere, was Künstlern und Start-Up-Labels zugute komme. Für Smudits ist das Musikland jedoch eher eine Musik-Kolonie, ein Anhängsel im GSA-Bereich der Konzerne. Auch das Publikum beteiligte sich lebhaft, und ein Sprecher mahnte an, man müsse verhindern, dass der österreichische Musikmarkt durch widerstreitende Interessen der Verbände zum „Land der musikalischen Schrebergärtner“ verkümmere.


