In gewisser Weise ist die Entwicklung im Reggae-Segment durchaus vergleichbar mit der Aufbruchstimmung der deutschen HipHop-Szene um die Jahre 1997 und 1998.Das früher oftmals belächelte Spezialgenre hat sich inzwischen einen Platz an der Sonne erobert. Bands wie Seeed oder Künstler wie Gentleman schaffen heute mühelos den Sprung in die Top Ten der deutschen Album-Charts.
Gerade junge Musikhörer entdecken Reggae bzw. Dancehall zunehmend als Sound ihrer Generation. Die Konzerte und Festivals sind sehr gut besucht. Selbst wenn, von Einzelfällen abgesehen, auch hier keine großen Zuwächse zu verbuchen sind, hat sich das Genre in die Breite entwickelt.
Vorsicht vor minderwertigem Material“
Einer stark gestiegenen Zahl von Fans stehen immer mehr Labels, Soundsystems und Veranstaltungen gegenüber. Die Gefahr eines künstlerischen Ausverkaufs ist im Moment noch gering. Trotzdem gibt es Unkenrufe wie die von Norbert Rudnitzky, Label Manager Downbeat Records bei eastwest: „In Deutschland würde ich trotz des Erfolgs von Seeed oder Gentleman noch nicht von dem Durchbruch eines Genres sprechen, da beide Themen eher vom Künstler anhängen.“
Rudnitzky glaubt, „wenn die Branche nicht wieder dem altbekannten Signingwahn verfällt und alles unter Vertrag nimmt, was in diesem Segment kreucht und fleucht, kann Reggae & Dancehall als Genre in der Zukunft durchaus ein fester Bestandteil des kommerziellen Markts werden. Ein Hype durch die Industrie mit minderwertigen Veröffentlichungen würde zum vorzeitigen Ende von Reggae und Dancehall als kommerzielles Marktsegment führen.“ Und auch Fitz Braum, Chef von Four Music, warnt vor einem Hype: „Ich hoffe, dass die Szene langsam wächst und es nicht – ähnlich wie beim HipHop – zu einem Ausverkauf kommt.“


