Musik

Musikabos erfüllen Erwartungen noch nicht

In ihrem jüngsten Digital Music Report bilanziert die IFPI den aktuellen Stand im Onlinegeschäft. Nur eine Randnotiz blieben dabei Downloadabos. Ohne Marketingschub und mehr Unterstützung der Labels wird das so bleiben, fürchten Experten.

In ihrem jüngsten Digital Music Report bilanziert die IFPI-Zentrale den aktuellen Stand im Onlinegeschäft. Nur eine Randnotiz blieben dabei Downloadabos. Ohne Marketingschub und mehr Unterstützung der Labels wird das so bleiben, fürchten Experten.

Das in der Vergangenheit von vielen Branchenvertretern als Zukunftskonzept gepriesene Geschäftsmodell des Musikverkaufs per Online-Abonnement will weiterhin nicht den Kinderschuhen entwachsen. Zwar verzeichnete die IFPI einen Zuwachs um 25 Prozent bei den Abonutzern, doch weltweit 3,5 Millionen Dauerkunden bringen für die Bilanzen der Labels noch keine Entlastung. Größere Zuwächse in diesem Marktsegment werden wohl erst dann zu beobachten sein, wenn Anbieter wie Yahoo! oder MTV ihre Markenmacht und entsprechende Werbemillionen auffahren, um Kunden davon zu überzeugen, dass man Musik nicht zwingend besitzen muss, sondern auch mieten kann.

Doch statt Wachstum war beim Abogeschäft in den letzen Wochen eher eine Konsolidierung zu beobachten: Virgin Digital hat seinen bescheidenen Kundenstamm ebenso an Napster weitergereicht wie zuletzt AOL Music Now. „Es würde uns nicht überraschen, wenn weitere Marktteilnehmer in den nächsten zwölf Monaten diesem Beispiel folgen würden“, meint Jonathan Arber, Analyst bei Ovum. Der anfängliche Rummel um das digitale Musikgeschäft sei verflogen und speziell Portalbetreiber wie AOL und Yahoo! würden nun die Probleme dieses Markts erkennen – und diese lieber Spezialisten überlassen.

Doch um als Nischenanbieter überlebensfähig zu bleiben, bedarf es einer kritischen Masse an Kunden. „Billboard“ will errechnet haben, dass erst ab einer Million Dauerkunden von einem tragfähigen Abogeschäftsmodell die Rede sein kann. Der einzige Anbieter, der dieses Ziel bislang erreicht hat, ist RealNetworks mit Rhapsody. Gesetzt den Fall, dass die Verantwortlichen nach der Übernahme der Virgin- und Music-Now-Kunden ihre Abonnentenzahlen stabil halten können, folgt Napster mit rund 900.000 Dauerkunden an zweiter Stelle.

Selbst wenn es den Abovermarktern gelänge, die Vorzüge ihres Konzepts bei Kunden besser zu kommunizieren, bleibt noch die mangelnde Unterstützung der Tonträgerfirmen. Ein ehemaliger Manager eines Abodienstes verriet dem „Billboard“, dass es „in der Branche niemanden gibt, der sich einen Erfolg der Subskriptionsdienste wünscht“. Zwar könnten sich die Labels schnell mit den monatlich konstant eintrudelnden Umsätzen anfreunden, „aber sie wissen, dass das Ersatzumsätze sind. Man hat eben erkannt, dass der unbegrenzte Zugang zu umfassenden Inhalten dazu führt, dass keine CDs mehr gekauft werden“.

Auch die Prognosen der Marktforscher werden immer vorsichtiger: Beim Aufkommen der ersten Abodienste hieß es noch, sie würden das Geschäftsmodell Einzeltrackverkauf schnell in den Schatten stellen. In ihrer aktuellen Analyse kommen die Marktforscher von JupiterResearch zu dem Ergebnis, dass die Ausgaben der US-Bürger für Musikabos im Jahr 2006 um 14 Prozent auf 185 Millionen Dollar wuchsen. Für die kommenden fünf Jahre rechnet Jupiter mit einer durchschnittlichen jährlichen Zuwachsrate von 32 Prozent.

Mehr zum Thema