Musik

Musik aus Berufung

In Kanada ist sie längst ein Superstar. Mit ihrem neuen Album könnte sich Sarah Slean aber endlich auch in die Herzen des europäischen Publikums singen.

Manchmal ist eine Seelenkrise Ausgangspunkt für besonders kreative Leistungen. Im Fall von Sarah Slean und ihrem Album, „Day One“ (wea/Warner), war das so. Bevor sie die Songs dafür schrieb, hatte sich Sarah für vier Monate in einer Blockhütte mitten in den kanadischen Wäldern einquartiert, weil sie mit sich und der Welt nicht mehr zurecht kam.

„Ich glaube, es war meine Unfähigkeit, ich selbst zu sein. Mein Unvermögen, einfach zu existieren und mit dem Druck von außen und mit meinen Ängsten fertig zu werden“, erklärt die Kanadierin.

Herrlich skurril

Von Depressionen, Selbstzweifeln und dem Streben nach Neuorientierung handeln viele Songs auf „Day One“. Allerdings ist Sarah Slean weit davon entfernt, in Selbstmitleid zu zerfließen. Das Ergebnis ihrer Flucht in die Isolation der kanadischen Wälder sind sehr lebensbejahende, mitunter herrlich skurrile Titel.

„Ich hatte das Gefühl, als hätte ich mehrere Häute abgelegt“, erzählt die 26-jährige Künstlerin. „Der Song ‚Day One‘ ist aber auch eine Umkehrung der Haltung: ‚Eines Tages werde ich dies oder das tun.‘ Irgendwann ist jetzt. Es geht um den gegenwärtigen Moment, um seine Kraft, sein Potenzial. Wenn man sich das klar macht, hat es eine beruhigende Wirkung auf die Seele.“

Eine eigene Songwelt

In ihrer kanadischen Heimat hat sich die Sängerin mit ihren bisher erschienenen drei Alben längst in die erste Liga gespielt. 1999 veröffentlichte sie auf ihrem eigenen Label die LP „Blue Parade“, mit dem sie nachhaltig auf sich aufmerksam machte. Mit ihrem ersten Major-Album, „Night Bugs“, gelang ihr 2002 der Durchbruch.

Vergleiche mit Tori Amos, Kate Bush oder Fiona Apple sind sicher keine schlechte Referenz, aber Sarah Slean entwickelt auf ihrem mittlerweile dritten Studio-Album eine ganz eigene Songwelt, die von starken Melodien und metaphorischen Texten lebt.

Musik als Waffe des Guten

Für Sarah Slean ist Musik mehr als Beruf – sie ist Berufung. Die Sängerin will mit ihren Songs nicht weniger als die Welt verändern. „Ich verbreite Liebe wie ein Terrorist“ singt sie im Titelsong und weiß dabei, dass dieses doppelbödige Spiel mit Symbolen provokant und idealistisch zugleich ist – „schamlos idealistisch“ sogar, gibt sie zu.

„Aber ich denke, dass der Idealismus das Einzige ist, das jemals zu Veränderungen zum Guten führte. Ich weiß nicht, ob diese Revolution eine leise Revolution sein wird, aber es wird eine freudige sein. Man kann den Mächten des Bösen nur mit Freude begegnen – und mit Liebe. Und insofern werde ich meine Liebe und meine Musik als Waffe benutzen – und ich werde damit keinen Schaden anrichten. Ich werde damit nur Licht verströmen.“