Musik

Musik als Lebensretter

Mit „Dude“, der ersten Single aus seinem neuen Album „Back To Basics“ (Virgin/EMI), gelang dem Dancehall-Entertainer kürzlich der endgültige Durchbruch in Europa. Als Newcomer kann man Moses Davis alias Beenie Man allerdings nicht mehr bezeichnen. Dazu ist er einfach schon zu lange im Geschäft.

Der kleine Mann ist bester Laune. Davon war nicht zwingend auszugehen. Schließlich hat Beenie Man alias Moses Davis gerade eine Zeit mit recht unerfreulichen Ereignissen hinter sich. „Mein Leben hat sich verändert“, sagt er ernst. Und das ist selten für die Frohnatur aus Kingston, Jamaika. Im Februar verunglückte Beenie Man in seiner Heimatstadt auf dem Weg zu einer Party, überschlug sich mehrmals mit seinem Jeep und verbrachte die nächsten Wochen mit einem Lungenriss und etlichen Knochenbrüchen auf der Intensivstation. „Ich habe wohl einen Schutzengel gehabt“, sagt er heute. „Zum Glück bin ich wieder völlig okay und am Leben.“ Dieses Glück hatte sein langjähriger Freund und Tourmanager nicht. Der wurde im vergangenen Februar unter ungeklärten Umständen in Kingston von einem Unbekannten erschossen. Bei diesem Thema wird Beenie Man noch ernster: „Die Polizei kümmert sich kaum um den Fall, deshalb haben wir jetzt unsere eigenen Untersuchungen gestartet.“ Er wertet den Anschlag als eine Anfeindung gegen sich selbst. „Wenn sie dich nicht umlegen können, weil du zu bekannt bist, vergreifen sich diese Kerle eben an jemandem, der dir nahe steht.“

Doch selbst solche Schicksalsschläge können den quirligen Künstler — Beenie bedeutet im jamaikanischen Patois soviel wie klein — nicht aufhalten. Auf seinem neuen Album „Back To Basics“ ist Party-Laune angesagt. Wie schon auf seinem letzten Werk gilt das Motto: Sex, Spaß und Liebe. „Das Leben ist so kurz, warum sollten wir da kämpfen? Machen wir lieber Musik und genießen das Leben“, sagt der 31-Jährige und pflegt seinen Ruf als Womanizer. „Ich bin das Zuckerstückchen für die Frauen, und der Rest der Welt respektiert mich als Musiker.“ Sein Selbstbewusstsein ließ er sich auch nicht nehmen, als ihn vor Kollege Bounty Killer hart angriff: „Wenn du wirklich wichtig bist, ich meine ein Star, der Chef“, sucht Beenie Man nach Superlativen fürs eigene Ich, „dann gibt es immer Neider, die versuchen ihr Spielchen mit dir zu treiben. Bounty Killer hat es versucht. Aber er wusste schon vorher, dass er mich nicht aufhalten kann, egal, was er tut.“ Das will Beenie Man nun mit dem neuen Album beweisen, für das er mit dem jamaikanischen Produzenten-Team Dave Kelly, Tony Kelly und Don Corleone zusammenarbeitete. „Mindestens so großartig“ wie sein mit einem Grammy dekoriertes Album „Many Moods Of Moses“ (1997) findet er die 15 neuen Tracks. Und Tanzhallen-Kracher wie „All Girl Party“ und „King Of Dancehall“ lassen keinen Zweifel, dass die neue Platte für Dancefloor geschaffen wurde.