Musik

Music Mail meldet Umsatzsteigerung um 30 Prozent

Verkehrte Welt im Vinylmarkt

„2001 war mit einer rund 30-prozentigen Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr das erfolgreichste Jahr seit unserem Bestehen“, stellt Frank Schreiner, Firmengründer und Geschäftsführer des Vinylvertriebs Music Mail, im Gespräch mit musikwoche.de fest. Er begründet die dafür verantwortliche Aufnahme neuer Vertriebslabels nicht mit „einem aggressiven Marketing, sondern weil die Labels wegen unserer zuverlässigen Arbeit und Mundpropaganda zu uns gestoßen sind“. Als weitere Erfolge wertet Schreiner den Ausbau des Label-Portfolios und Charts-Erfolge der Vinylthemen wie etwa Future Breeze, DJs @ Work oder Sono. So vertreibt das 20-köpfige Team exklusiv rund 100 Labels weltweit sowie 100 ausländische Labels, für die Music Mail als exklusiver Vertriebspartner in Deutschland, Österreich und der Schweiz fungiert. Neben Firmen wie Alphabet City, EDM oder Headline vertreibt das 1989 gegründete Unternehmen auch Vinyle von Majors. Dazu zählen Fuel und Leaded von eastwest, ffrr, Deep Culture und Club Culture von WEA, Trigger und Stereophonic von BMG sowie Themen von Sony und edel. Mit neun eigenen Labels will Music Mail das gesamte Spektrum der Dance-Music abdecken: Auf Up Beat erscheinen Trance-Sounds, auf Up Beat Limited Progressive- Trance, auf Up Beat USA US-House, Le Bien Et Le Mal veröffentlicht Disco-Filterhouse, auf Organic erscheint Progressive Techno, auf Tenor French House, auf Reality Bites und Wicked Tunes Trance sowie auf House Utilities House-Musik. „Als Vertrieb möchten wir wie mit unseren eigenen Labels die ganze Bandbreite umfassen. Damit sind wir ein kompetenter Ansprechpartner für die Industrie wie auch Trendscout und Vertriebspartner für viele kleinere kreative Zellen“, erläutert Schreiner. Diesen bietet Music Mail die Möglichkeit, ihren Sound im Markt zu testen und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.“ Das Hauptproblem des deutschen Vinylmarkts sieht Schreiner in der „großen Anzahl der DJ-Pools, die zum Teil 2000 kostenlose Promos an DJs verteilen.“ Damit erklärt Schreiner auch das Paradoxon, dass Music Mail bestimmte Themen 3000-mal verkauft, die dann mit Ausnahme der firmeneigenen in keiner Dance-Charts auftauchen, da sie nicht bemustert wurden. „Umgekehrt können wir von Platten, die bemustert wurden und hohe Charts-Platzierungen erreichen, keine 1000 Einheiten verkaufen. Ich nenne das verkehrte Welt!“ Negativ mache sich auch der „riesige Output an Releases und die immer kürzer werdende Halbwertszeit eines Produkts“ bemerkbar. Deswegen sei für Music Mail das Auslandsgeschäft sehr wichtig, da dort „noch mehr der eigentliche Track und weniger das Image des Labels oder des Producers beurteilt wird“. Für 2002 erwartet Schreiner keine Besserung: „Zusätzliche Einnahmequellen wie Compilations schrumpfen wegen rückläufiger Stückzahlen immer weiter, während ein immer höherer Marketing-Aufwand für Promotion bei den Dance-Charts erwartet wird.“ Das bremse kleine Zellen aus, wodurch viele Labels eher auf bewährte Producer und Remixer zurückgreifen würden, so Schreiner.