Musik

Multitalent aus dem Mutterland des Pop

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Natasha Bedingfield ihren Bruder Daniel an Bekanntheit übertrifft. Gleich mit ihrer ersten Single, „These Words“, gelang ihr in England und Deutschland ein Start nach Maß. Mit dem Debütalbum „Unwritten“ untermauert die 22-jährige Sängerin nun ihre Ansprüche auf den vakanten Thron der Pop-Königin.

Nach Anzeichen von Überheblichkeit oder Arroganz wird man bei Natasha Bedingfield vergeblich suchen. Die Sängerin aus dem Südosten von London hat es gar nicht nötig, sich als zickiges Pop-Wunderkind zu präsentieren – dazu ist sie viel zu intelligent.

Mit ihrem Debütalbum „Unwritten“ unterstreicht die in Neuseeland geborene Künstlerin eindrucksvoll, dass sie zu einer neuen, selbstbewussten Musikergeneration zählt, die nicht vorhat, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. „Ich liebe es, viel zu reisen und verschiedene Regionen zu besuchen. Das ist gleichzeitig auch eine riesige Inspiration für mich als Songwriterin.“

Songs mit analytischer Perspektive

Es wäre sicher ein Leichtes gewesen, sich mit ein paar handverlesenen Produzenten und Songwritern in ein Studio einzuschließen und ein nahezu perfektes Pop-Album einzuspielen, das zwar viel zu bieten hat, nur aber keine persönliche Note.

Natasha Bedingfield wählte jedoch einen anderen Weg: „Für mich war von Anfang an klar, dass ich das Album komplett nach meinen Vorstellungen gestalten würde. Mir liegt nichts an oberflächlichen Songs und trivialen Liebesgeschichten, wie sie die Hitparaden beherrschen. Ich singe zwar auch gerne über Liebe, aber dann aus einer eher analytischen Perspektive. Mir geht es mehr darum, warum ich diese Gefühle entwickle.“

Und mit dieser Haltung setzt sie sich vom handelsüblichen Pop der Hitparaden schon meilenweit ab, ohne indessen auf eingängige Melodien und verführerische Harmonien zu verzichten. „Ich bin in einer sehr musikalischen Gegend von London aufgewachsen, in der Nähe von Brixton. In dieser Nachbarschaft haben sich praktisch alle mit Musik beschäftigt. Das hat mich schon sehr geprägt.“

Zwischen Bildender Kunst und Musik

Musik war immer ein zentraler Bestandteil von Natasha Bedingfields Leben. „Meine Eltern legten mir nie Steine in den Weg, sondern ließen mich das machen, worauf ich Lust hatte.“ Auch wenn sie eine Karriere im Musikbusiness nie bewusst plante, war es für sie doch ein völlig natürlicher Schritt, ihr Glück als Sängerin zu versuchen.

„Ich musste mich nicht besonders anstrengen; die Dinge haben sich fast von allein ergeben. Es gab durchaus Zeiten, in denen ich mich mehr auf andere Bereiche, auf Bildende Kunst zum Beispiel, konzentrierte, aber ich kam immer wieder zur Musik zurück. Bei jedem Konzert, das ich während dieser Zeit sah, wurde mir schlagartig klar, dass mir Musik am wichtigsten ist.“

Big Brother vs. Bedingfield Five

Trotzdem trieb sie ihre Karriere nicht mit allen Mitteln voran. „Man darf einfach keine Angst haben und muss sich fallen lassen können. Genau darum geht es auch im Song ‚If You’re Gonna …‘. Mein Bruder war in dieser Hinsicht einer meiner wichtigsten Ratgeber. Er war schon immer einer meiner größten Fans und hat in fast jedem seiner Interviews auf meine Talente hingewiesen.“

Ihr Umgang mit Daniel Bedingfield ist denkbar unkompliziert. „Wir sind beide sehr eigenständig und haben, entgegen diversen Presseberichten, keinerlei Ambitionen, eine Band à la The Jackson 5 ins Leben zu rufen.“

Das wäre auch gar nicht nötig, denn die Songs von Natasha Bedingfield sind auch ohne die Unterstützung ihres Bruders gut genug, die Charts weltweit anzuführen. Und außerdem fehlten dann immer noch drei Geschwister.