Musik

Münchner EMI-Arm mit schlagkräftigem Repertoire

Virgin will mit lokaler Kompetenz punkten

“Unser Credo bei lokalem Repertoire lautet: Nur mit musikalisch erstklassigen Künstlern, die über jeden Zweifel erhaben sind, überschreiten wir die Grenzen, die der Markt nationalen Newcomern oft steckt. Das gilt ganz besonders für deutschsprachige Musik“, erklärt Stöckl im Gespräch mit musikwoche.de. Seit seiner Beförderung an die Spitze von Virgin Deutschland vor rund einem Jahr konnte Stöckls Team interessante Acts gewinnen. Einer der größten Coups dürfte die europaweite Verpflichtung von RZA sein, dem federführenden Mitglied des Wu-Tang Clan. Sein neues Album erscheint Ende April und enthält Kooperationen mit anderen namhaften Künstlern. So sind zum Beispiel aus Deutschland vertreten: Xavier Naidoo, Curse, Afrob, Kool Savas und Sekou. Zudem wirkten unter anderem Deborah Cox, die Saïan Supa Crew, IAM, Ghostface Killah und Method Man an dem Longplayer mit. Mit dieser Platte dürften Virgin europaweit Erfolge sicher sein. Über Europa hinaus will Stöckl mit dem osteuropäischen Star Edyta. Ihr Album erscheint am 31. März und soll den internationalen Durchbruch bringen. In weiten Teilen Europas und Asiens ist Edyta bereits ein Superstar mit über einer Million verkaufter Alben, 38 Awards und zuletzt über 100 Magazin-Titelbildern. Produziert wurde ihr neues Album in London von denselben Studio-Experten, die auch die Spice Girls und Atomic Kitten betreuten.

Ebenso ein weltweit relevantes Thema ist für Virgin jede neue Platte von Michel Cretu, der dem Unternehmen nicht nur seit Jahren freundschaftlich verbunden ist, sondern mit seinem Projekt Enigma konstant hohe Verkaufszahlen garantiert. Sein letztes Album verkaufte über zwei Millionen Einheiten, davon ein großer Anteil in den USA. Allein von seinen Backkatalog-Titeln verkaufte Virgin im vergangenen Jahr rund 500.000 Exemplare. Und schließlich freut sich Stöckl schon auf das für das Frühjahr 2004 geplante neue Album von Bryan Ferry, das an die Erfolge mit „As Time Goes By“ anknüpfen soll. Während sich Bands wie Blind Guardian schon jetzt auf europäischer Ebene behaupten, soll in diesem Jahr auch Reamonn beweisen, dass es auch außerhalb des deutschen Sprachraums einen Markt für Rock made in Germany gibt. Für den Virgin-Chef ist klar: „Das kommende Reamonn-Album wird an den Erfolg des ersten anschließen. Die Titel auf ‚Beautiful Sky‘ sind absolut stadiontauglich mit einprägsamen Hooklines und Mörder-Balladen en masse.“

Deutlicher in Richtung Mainstream-Pop marschiert Virgin mit der von A&R Mareike Hettler entdeckten Newcomer-Band Itchycoo. Mit den Schweden hat Stöckl Großes vor: „Bei Itchycoo treibt uns großer Ehrgeiz an. Das schwedische Duo ist jung – Anfang 20 – und schreibt seine Songs weitgehend selbst. Poppige Rockmusik, der wir durchaus weltweite Bedeutung zumessen.“ Mehr Bedeutung sollten künftig vor allem auch weibliche deutsche Stars bekommen, wenn es nach Stöckl geht. „Da sehe ich ein deutliches Verbesserungspotenzial.

In diesem Künstlersegment fehlt der einheimischen Musikszene eindeutig die qualitative Vielfalt.“

Die wichtigsten lokalen Virgin-Veröffentlichungen

Alben Der dritte Raum – Klubraum (10. März 2003) Sven Väth – Fire Works (10. März 2003) Edyta: Invisible (31. März 2003) RZA: The World According To RZA (28. April 2003) Blind Guardian: Live (26. Mai 2003) Reamonn: Beautiful Sky (26. Mai 2003) Heyday: N.N. (Juni 2003) And One: Aggressor (30. Juni 2003) Itchycoo: Itchycoo (August) Enigma: N.N. (September) Lockdown Project: N.N. (Januar 2004) Bryan Ferry: N.N. (Frühjahr 2004)

Singles Queen + Vanguard: Flash-Remixe (24. März 2003) Lockdown Project: Everybody In The Morning (17. Juni 2003) Itchycoo: Lovetrain (5. Mai 2003)

Seinen Beitrag zu mehr musikalischer Auswahl aus Frauenhand will Virgin mit der Newcomerin Maya Saban leisten: „Unsere große Hoffnung im deutschsprachigen Bereich. Sie wird von einem jungen Berliner Produzententeam betreut und stellt gegenwärtig ihr Album fertig“ – mit einer Mischung aus anspruchsvoller Popmusik mit starkem Soul/R&B-Einschlag. Ein noch ungeschliffener Diamant ist in Stöckls Augen der Münchner Musiker Jahcoustix, der sich in Singer/Songwriter-Tradition melodiösen Reaggae-Pop-Songs verschrieben hat. Trotz seiner Jugend – auch er ist erst Anfang 20 – hat Jahcoustix bereits über 80 eigene Songs im Gepäck. Ein Album ist in Arbeit. Mit diesen einheimischen und lokal gesignten Künstlern sieht sich Virgin gut gerüstet für das laufende Jahr. Zudem hat sich in den letzten Monaten das Hauen und Stechen im Domestic-Markt etwas beruhigt, konstatiert Stöckl: „Natürlich wird immer noch zu schnell und zu teuer gesignt. Aber viele planen inzwischen wieder langfristiger.“ Virgin achte sehr genau darauf, welche Künstler eine Chance bekommen sollten, und überlege im Zweifelsfall lieber ein x-tes Mal, ob ein Vertrag auch in kommerzieller Hinsicht Sinn macht. Dennoch: „Unsere Marketingbudgets setzen wir für die nationalen Themen sehr sorgfältig ein. Jeder Act ist uns wichtig. Wir geben für jeden einzelnen alles. Mit Herzblut und Professionalität.“