Musik

MSN Music Store im Test

Am 1. September startete Microsoft mit dem lang erwarteten MSN Music Store. Der Shop soll allerdings erst im Oktober voll funktionsfähig sein. Bis dahin müssen sich die Nutzer mit einer Beta-Version begnügen, die musikwoche genauer unter die Lupe genommen hat.

Vorerst ist der digitale Musikladen von Microsoft nur als Beta-Version verfügbar.Das erklärt auch, warum der Shop noch einige Schwachstellen offenbart. In einem ersten Test fand musikwoche in der MSN-Datenbank nur eine begrenzte Anzahl von Titeln. Zwar bietet Microsoft 19 Alben von Madonna an – zwischen 10,89 und 8,91 Dollar zuzüglich Steuern. Aber die aktuellen Spitzenreiter in den US-Charts sind nur unzureichend vertreten. Weder die neue Nummer eins, „Live Like You Were Dying“ von Tim McGraw, noch die aktuellen Alben von Mase, Jimmy Buffett, Young Buck, Jill Scott oder Mobb Deep lassen sich mit Hilfe der Suchmaschine ausfindig machen. Microsoft behauptet, eine Mio. Songs aller Majors, vieler Indies und einiger „unentdeckter Künstler“ lizenziert zu haben, gibt indes zu, dass die digitalen Regale erst nach und nach gefüllt werden.

Das MSN-Team bittet User noch um Nachsicht, sollten in der Anfangsphase Kinderkrankheiten auftreten, im Oktober werde der Shop voll funktionsfähig sein. Bei der Titelsuche ergeben sich auch Kuriositäten: Der Shop weist sechs Alben von Usher aus, auch seinen aktuellen Topseller „Confessions“. Den Nummer-eins-Hit des Albums, „Yeah!“, kann man jedoch nicht als Download kaufen, die Folge-Single „Confessions Pt. II“ schon. Bei Titeln, die nicht einzeln verfügbar sind, verkündet der MSN Shop: „CD only“ – der Link führt zum Angebot von amazon.com. Für einzelne Songs verlangt Microsoft zumeist 99 US-Cents, Alben kosten in der Regel 9,99 Dollar.

Anders als iTunes will der MSN Music Store dem „Hollywood Reporter“ zufolge auch Künstler wie Metallica anbieten, die den Verkauf einzelner Songs ablehnen. Auch exklusive Tracks sollen das Angebot aufwerten. So sollen zum Beispiel vier Live-Performances von Kanye West nur im MSN Music Store zu haben sein. Ein von Beobachtern erwartetes Abonnementmodell sucht man derzeit vergeblich. Die Beta-Seite erlaubt derzeit nur Käufe von Kunden mit einer US-Adresse. Demzufolge verwundert es nicht, dass Hits aus den deutschen Charts kaum zu finden sind. Weder der Sommerhit von O-Zone, noch das aktuelle Repertoire von Anastacia – die Spitzenreiter in den OneTrack Mastercharts von musikwoche – hat MSN im Angebot. Dafür kann der Shop immerhin die beiden Nummer-eins-Titel von Maroon 5 bzw. Westlife aus den britischen Download-Charts vorweisen.

Die Downloads übermittelt Microsoft als 160kbps-WMA-Dateien, die die Käufer auf fünf verschiedenen PCs anhören können. Die gleiche Playlist kann siebenmal auf CD gebrannt werden, dafür dürfen die Titel auf eine unbegrenzte Anzahl von tragbaren Playern überspielt werden. Microsoft weist seine Kunden darauf hin, dass es derzeit rund 70 solche Geräte gibt, die mit dem Shop kompatibel sind. Im Gegensatz zu Apple verkauft Microsoft jedoch keine eigenen Player, mit denen sich die anzunehmenden Verluste im Download-Verkauf ausgleichen ließen.

Yusuf Mehdi, Corporate Vice President von MSN, sagte, sein Unternehmen wolle mit dem Music Store vor allem die Zugriffe auf die MSN-Dienste erhöhen und damit größere Werbeerlöse generieren. „Wir glauben, dass wir das bessere Angebot als Apple erstellt haben“, so Mehdi. Zudem soll die Attraktivität des neuen Windows Media Player (Version 10) gesteigert werden, der am 2. September Premiere feierte. Der Download-Shop soll dann sowohl über einen Web-Browser über die MSN-Hompage oder über eine Einbindung im Media-Player erreichbar sein. Über diverse Community-Features sollen MSN-Kunden auch ihre musikalischen Vorlieben untereinander austauschen können. Und wie bei Apples iTunes gibt es auch im MSN-Shop diverse Radiokanäle.

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