Im Vorfeld des Countdowns zum Grand Prix rief die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlager zum Zuschauerboykott auf, weil kein Schlager mehr in der Sendung „Countdown zum Grand Prix“ dabei ist. Im Gespräch mit musikwoche.de präzisiert Dieter Thomas Heck die Einwände.
musikwoche.de: Was bemängeln Sie?
Dieter Thomas Heck: An der ganzen Geschichte wundert mich einfach, dass die ARD nicht sagt: Kinder, wir haben eine Jury, und die Schallplattenindustrie hat die Möglichkeit, Titel anzubieten, und dann wird eine Fachjury auswählen, die sich zusammensetzt aus Fachjournalisten aus Bereichen wie Presse, Fernsehen, Rundfunk, auch Musiker, Komponisten und Texter. Dass aber nun allein die Phonoindustrie entscheidet, was drin ist und was nicht, das geht für meine Begriffe nicht. Wenn der eine Kandidat, Joachim Deutschland, nicht die Hosen runtergelassen hätte, wäre er ja immer noch drin. Und wer weiß, was dann beim Grand Prix passiert wäre.
mw: Finden Sie es gut, dass Jürgen Meier-Beer kein Zensor des Geschmacks sein möchte?
Heck: Natürlich müssen ARD und ZDF, also mit öffentlich-rechtlichen Mitteln finanzierte Rundfunkanstalten, dem breiten Publikum alles bieten. Aber für den Schlagerliebhaber ist in dieser Sendung nun gar nichts drin. Vielleicht noch der Titel von der kleinen Lou. Das ist happy und fröhlich gemacht.
mw: Können Sie sich vorstellen, dass Elmar Brandt Deutschland beim Grand Prix vertritt?
Heck: Sollte er den Vorentscheid gewinnen, wird das für Deutschland sehr schwierig. Ich finde, man kann einen deutschen Bundeskanzler im Ausland nicht als Witzfigur und als Gummideppen hinstellen. Und Ich Troje ist ja nun auch so eine Sache: Ein Scheckbetrüger, der eine große Mitschuld an der Pleite von Matthias Reim trägt – muss sowas in der Sendung sein?
mw: Verstehen Sie, warum keine namhaften Interpreten teilnehmen?
Heck: Natürlich verstehe ich das nicht, aber da kann ich Herrn Dr. Meier-Beer keinen Vorwurf machen, denn es haben ja auch viele große Künstler gesagt, sie wollen nicht mitmachen. Aber eine Michelle tat Deutschland als Beitrag doch sehr gut.
mw: Jürgen Meier-Beer hat in einem Gespräch mit musikwoche.de betont, dass er sie sehr schätzt und angeboten, dass Sie im nächsten Jahr einen wettbewerbsfähigen Schlager vorschlagen. Würden Sie sich darauf einlassen?
Heck: Ich bin immer der Meinung, dass man zusammenarbeiten muss. Und ich schätze auch Dr. Meier-Beer sehr. Ich kritisiere eben nur diese Haltung: „Das nehmen wir, weil es die Plattenindustrie so sagt.“ Ich verstehe ihn auch, wenn er sagt, dass der Schlager nicht vertreten ist, weil er nicht eingereicht wurde. Aber das kann und muss sich einfach ändern.
mw: Mit „Deutschland sucht den Superstar“ gibt es wieder eine eine erfolgreiche Musiksendung. Hätten Sie nicht Lust, eine Sendung wie „Dieter Thomas Heck sucht den Schlagerstar“ zu erfinden?
Heck: Ja. Ich habe ja bei „Toi toi toi“ mit Peter Frankenfeld damit einmal angefangen. Dass es Nachwuchs gibt, das beweist ja die Sendung „Superstars“. Und ich bin sicher, es gibt im Schlagerbereich genauso viele gute Leute. Aber das muss man gemeinsam machen. Ich kann das präsentieren, aber ich kann mich nicht hinstellen und sagen: Ich, der große Dieter Thomas Heck – Klammer auf: einsvierundachtzig, Klammer zu – sucht nun den Schlagerstar. Das kann man nur gemeinsam machen, mit einer Jury und einer großen Zeitung. Vielleicht steigt ja auch „Bild“ ein. „Bild“ tut viel für den deutschen Schlager. Man soll es ruhig vorschlagen; ich bin jederzeit gern bereit, eine solche Sendung zu machen; denn es muss etwas für den Nachwuchs des deutschen Schlagers getan werden.
mw: Es kursiert das Gerücht, Sie wollen die Hitparade in einem neuen Format wiederauferstehen lassen?
Heck: Diese Sendung muss es einfach wieder geben. Natürlich in anderer Form und mit einem anderen Moderator. Ich würde als Produzent und selbstverständlich auch als Ratgeber dahinter stehen.



