Musik

Mobile Musikzukunft im Visier

Musik und Entertainment vom Handy ist das nächste große Ding in der Unterhaltungsindustrie. Schon jetzt verfügen mehr als 40 in Deutschland erhältliche Geräte über einen integrierten MP3-Player. Wie die Zukunft klingen, was sie bringen könnte, das erörterten Experten aus Mobilfunk- und Musikbranche beim Fachkongress „music meets mobile“ – allerdings eher mit verhaltenem Hurrageschrei.

Telefonieren, Fotografieren, SMS versenden, Musik hören, Musik downloaden, nach neuen Stücken surfen – das Handy der Zukunft kann alles. Die Wandlung des Mobiltelefons vom besseren Walkie-Talkie zum Universalkommunikator lässt nicht nur in den Augen mancher Handy-Anbieter die Dollarzeichen aufleuchten. Der Noch-Nischenmarkt könnte künftig auch die Musikbranche von Grund auf revolutionieren. Direkte Vertriebswege, Kundennähe und gesenkte Produktionskosten zeichnen schnell das Bild eines multimedialen Eldorados. Zu „music meets mobile“ in Stuttgart waren Vertreter aus Wirtschaft, Forschung, Medien und Werbung, Veranstalter und Pop-Akademiker angereist.

Paul Woog vom Popbüro Region Stuttgart bezeichnete den vom Fachmagazin „connect“ in Partnerschaft mit der MFG Medienentwicklung Baden-Württemberg veranstalteten Kongress als „extrem wichtig“. Vorhersagen lässt sich die Zukunft freilich auch auf einer solchen Veranstaltung nicht. Derzeit stehen die Aktien so: Der Anteil digitaler Musik am 22 Milliarden schweren Mobilfunk-Kuchen beträgt gerade einmal zwei Prozent. Rund 80 Prozent ihrer Umsätze macht andererseits auch die Musikbranche immer noch auf konventionellem Wege. Die technischen Möglichkeiten der kleinen Handschmeichler sind beinahe unbegrenzt. Im Sommer will Samsung ein multifunktionales Gerät mit einer integrierten Drei-Gigabyte-Festplatte auf den Markt bringen. Herkömmliche Handys mit MP3-Player, die immerhin bis zu 240 Titel speichern, bekämen dann ernsthafte Konkurrenz. „Der Trend geht in die Richtung, dass die Leute nur noch ein einziges mobiles Endgerät haben möchten, das Kamera, Musikabspielgerät, Telefon und eventuell auch die Fernbedienung zu Hause ersetzt“, sagte Holger Großmann vom Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie. „Das Mobiltelefon ist ein ideales Medium für multimediale Anwendungen.“ Die Metadaten, die zusätzliche Informationen über die jeweiligen Musikstücke bieten und sie so eindeutig identifizierbar machen, sollen etwa via Handy künftig jedes im Radio gespielte Stück im Netz auffindbar machen: Einfach das Telefon vor den Lautsprecher halten, und nach einer halben Minute erscheinen Songtitel, Künstler, Album und weitere Kaufempfehlungen. Diese vom Fraunhofer Institut entwickelte „Fingerprinting“-Technologie ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie der Kunde der Zukunft zum Konsum von Musik angeregt werden könnte.

„Eine intelligente Suche, ähnlich der Textsuche im Internet, kann die Kaufbereitschaft für Musik ankurbeln“, sagt Großmann. „Unserer Meinung nach wird dadurch auch der Mobilfunk-Markt enorm profitieren.“ Ob, wo und wie man diesen Markt in Sachen Musik künftig aufrollen soll, darüber herrschte indes alles andere als Einigkeit. Manch einer sieht in den Segnungen der Technik kaum mehr als eine marktstrategisch weit überschätzte Spielerei. Die „Erwartungen ins rechte Licht zu rücken“ versuchte Thorsten Dirks, Geschäftsführer Innovation beim Mobilfunkanbieter E-Plus: „Der Musikmarkt ist kleiner, als viele denken. Eine 22-Milliarden-Industrie muss sich fragen, ob es sich überhaupt lohnt, dort zu investieren. Musik wird unsere Branche nicht voranbringen, unsere Domäne bleibt die Sprachtelefonie. Solange die Leute noch telefonieren, bin ich nicht bereit, den Markt in eine Welt zu pushen, von der wir nicht wissen, ob sie kommt.“