Etwas verwundert ist der Routinier schon. Denn in München herrsche, so sein Eindruck nach der ersten gemeinsamen CD „Das Original„, eine geradezu „hanseatische“ Arbeitsweise: „Bei Sony BMG wird nüchtern und sachlich geredet. Es wird nicht zu viel versprochen, und es werden keine großen Sprüche gemacht. Das gefällt mir gut, das entspricht meinem Stil.“
Doch es ist nicht nur Pragmatismus, der dem 48-Jährigen Songschreiber und Sänger den Start aus dem neuen Label-Stall versüßt. Es ist vor allem auch das ihm entgegengebrachte Vertrauen. „Jörg Hellwig, der mich unter Vertrag nahm, stellte mir einen Blanko-Scheck aus. Ich konnte machen, was ich wollte. Das Vertrauen war schon sehr angenehm.“
Kunze at his best
Der Musiker mit der markanten Kassenbrille und dem besengroßen Schnauzer hat diesen Vertrauensvorschuss mit der womöglich stärksten Platten seiner Karriere honoriert: „Das Original“ serviert, Nomen est Omen, 14 Songs in bester Kunze-Tradition.
Das heißt: abwechslungsreiche, anspruchsvolle Rock- und Pop-Kost, zeitgemäße Produktion, eingängige Melodien und natürlich hintergründige, metaphernreiche Texte, wie sie in der deutschen Pop- und Rockmusik wohl nur Heinz Rudolf Kunze zu drechseln vermag.
„Ich wollte ein Album machen, das typisch für mich ist“, sagt er über die wieder mit seinem altgedienten Weggefährten Heiner Lürig entstandene CD. Was ihm rückblickend nicht immer gelang, wie er zugibt: „Ich neige dazu, vom Original abzuweichen, Dinge auszuprobieren und meiner Neugier nachzugeben, mit Elektronik, HipHop oder Ähnlichem zu flirten. Einfach nur um zu sehen, ob ich es kann.“
Bitte keine Quote
Dass seine gelungenen neuen Originale in der deutschen Radiolandschaft auf fruchtbaren Boden fallen, bezweifelt er. „Mit 48 Jahren bin ich in den Augen der meisten Radiomoderatoren schon tot. Das finde ich zwar falsch, aber ich muss es zur Kenntnis nehmen.“
Könnte da die berühmte Quote helfen? Mit dem gequälten Gesichtsausdruck eines Lehrers, der zum 20. Mal seiner Klasse vergeblich den Dreisatz einzubläuen versucht, meint er: „Immer wird mir unterstellt, dass ich für die Quote bin, doch das bin ich nicht. Die Sorge und der Anlass sind zwar berechtigt, doch die Methode klappt in diesem Land nicht.“
Die Quoten-Debatte richte mittlerweile sogar Schaden an: „Es ist Unsinn, mit so einem Wort wie mit einer Keule rumzufuchteln und es sich mit Leuten zu verderben, die vielleicht guten Willens sind.“ Ein paar davon sitzen, wie es scheint, in Fernsehanstalten: „Im März haben wir eine ‚Rockpalast‘-Aufzeichnung in allen dritten Programmen“, so Kunze.


